Flusslandschaft 1992
Atomkraft
Mischoxid-Brennelemente (MOX-BE): Bundesumweltminister Töpfer weist am 29. Januar Hes-
sens Umweltminister Fischer an, die MOX-Produktion in Hanau zu erlauben, um das noch im Werk vorhandene Plutonium zu verarbeiten. Siemens erhält in Hanau am 5. Februar eine Teilge-
nehmigung, um das Brennelementewerk „leerzufahren“. — Bayerns Umweltminister Gauweiler kündigt am 21. Oktober die Fortsetzung des Genehmigungsverfahrens an.
Vom 14. bis zum 26. April zeigt die Pasinger Fabrik die Ausstellung „Kinder aus der Ukraine zeichnen ihre Umwelt“ zusammen mit der Fotodokumentation von Sergej Bruschko, der die Umsiedlung eines Dorfes und den Kinderalltag in einem Krankenhaus dokumentierte. Zum Tschernobyltag veranstaltet David gegen Goliath auf dem Marienplatz am 25. April eine Kund-
gebung und Demonstration von 10 bis 12.00 Uhr auf dem Altstadtring; veranstalten die Mütter gegen Atomkraft am 26. April eine Mahnwache auf dem Marienplatz.
Atomkraftgegnerinnen und -gegner beteiligen sich auch an den Demonstrationen gegen den Weltwirtschaftsgipfel.1
Die Bürgerinitiative Bündnis gegen Atomreaktor Garching organisiert sich am 5. Juli als über-
parteilicher, gemeinnütziger Verein.
Claus Biegert, der bis jetzt vor allem für seinen Einsatz für Indianer bekannt geworden ist, ver-
breitert die Palette seines Engagements.2
Roland Hipp zieht von Landeshauptstadt zu Landeshauptstadt. Er steht vor den Umweltministe-
rien mit einem Koffer voller Sand. Den hat er vom Strand in der Nähe der britischen Wiederauf-
bereitungsanlage Sellafield mitgebracht. Jetzt steht er auch im bayrischen Ministerium, wird aber schnell „hinauskomplimentiert … In den acht Ländern waren sie erfolgreicher gewesen als in München: Alle hätten sich den Sand wenigstens angeschaut und sich die Argumente angehört, sagte Hipp. Sieben hätte die Bodenproben dabehalten – hoffentlich zur weiteren Prüfung – Hessen und Baden-Württemberg haben abgelehnt, den gelben Koffer mit dem Radioaktiv-Zeichen anzu-
nehmen. Schäufele (persönlicher Referent des Umweltministers) lud Hipp ein, in sein Büro mit-
zukommen, aber ohne Koffer und ohne Presse. Der Greenpeace-Vertreter legte dies so aus, daß man in Bayern anscheinend ,die Augen verschließt’ und zog es vor, erst einmal der Presse vorzu-
führen, daß der Sand auf dem Geigerzähler wirklich 170 Impulse verursachte, während die Umge-
bung nur etwa 30 anzeigte …“3
Mit der Neufassung des Atomgesetzes plant die Bundesregierung zum Jahresende einen neuen Einstieg in die Atomenergie.
Ein Grundschul-Rektor: „Atommüll? – Das ist doch kein Problem! Da buddeln Sie einfach ein tiefes Loch, schmeißen die paar Tonnen Atommüll hinein und kippen einen Kubikmeter Erde drauf! Dann können Sie das Zeug vergessen!“4
(zuletzt geändert am 2.7.2026)
1 Siehe Bilder vom „4. juli“ von Cornelia Blomeyer.
2 Siehe „6 Fragen an Claus Biegert“.
3 Süddeutsche Zeitung 195 vom 25. August 1992, 14.
4 Zit. in: Mütter Courage. Zeitung der Mütter gegen Atomkraft 4 vom November 1992, 14.