Flusslandschaft 1996

Internationales

Allgemeines
Peru
Kurdistan und Türkei


„Die großen Kriege des 20. Jahrhunderts fanden zwischen wohlhabenden Staaten statt. Im nächsten Jahrhundert werden die jetzt in Frieden miteinander lebenden wohlhabenden Staaten gegen die Völker der armen Staaten und Regionen ihren Wohlstand verteidigen müssen.“1

Auch in diesem Jahr ist das Nord-Süd-Forum am „Münchner Umwelttag“ auf dem Marienplatz beteiligt. Diesmal veranstaltet es in Kooperation mit medico international, dem Öko-Fond sowie dem Kulturreferat ganztägig eine Kampagne gegen die Herstellung und Verbreitung von Landmi-
nen. Mit einem simulierten Landminenteppich, mehreren Infoständen, dem Prothesenmenschen und vielen anderen Aktionen erzielt es eine gute Resonanz beim Publikum.

Angestoßen durch einen workshop werden der Wunsch und der Bedarf nach einem EineWeltHaus in München wir immer deutlicher. Zu diesem Zweck bildet sich in der ersten Jahreshälfte ein neuer Arbeitskreis, der ein inhaltliches und finanzielles Konzept erstellen soll.2

Siehe auch „Alternative Medien“.

PERU

Seit dem 17. Dezember 1995 haben zwanzig Männer und Frauen des Movimento Revolucionario Tupac Amaru (MRTA) Japans Botschaft im Lima (Peru) besetzt und 73 Geiseln in ihrer Hand. Sie verlangen eine Änderung der neoliberalen Wirtschaftspolitik und ein Ende des Terrorregimes des Präsidenten Fujimori. Am 25. Januar treffen sich über hundert Menschen am Stachus und demon-
strieren ihre Solidarität mit den Botschaftsbesetzern.

KURDISTAN und TÜRKEI

Am 16. März wollen Tausende Kurdinnen und Kurden, unter ihnen viele aus München, in Dortmund für ihre Belange demonstrieren. Die Kundgebung wird verboten, Dortmund wird Festung und Hunderte werden eingekesselt und festgenommen.

Kurdinnen und Kurden besitzen kaum noch Möglichkeiten, sich zu organisieren oder ihr Neu-
jahrsfest am 21. März zu feiern.3 Am 21. März versammeln sich etwa hundertfünfzig KurdInnen und Deutsche im Bürgersaal Fürstenried zu einer geschlossenen Veranstaltung, um Newroz zu feiern. Polizei hat das Gebäude umstellt, hält sich im Eingangsbereich des Saales auf und hat drei Zivilbeamte mitten zwischen die Gäste im Saal plaziert. Irgendwann ruft einer der Gäste „Biji Serok Apo!“ („Es lebe der Vorsitzende Apo!“), schon drängen Polizisten in den Raum und drohen mit der Auflösung der Versammlung. Dies wird von den anwesenden Kurden und Kurdinnen zum Anlass genommen, unter Protest nach Hause zu gehen.

In München und Köln verhindert die Polizei am 20. Juli die Demonstration von Anhängern der verbotenen türkischen Organisation Devrimci Sol. Ca. 600 Menschen werden verhaftet.

Etwa hundert Türken, türkische Kriegsdienstverweigerer, Kurden und Deutsche demonstrieren in München am Samstag, 27. Juli, gegen Abschiebungen und gegen Folter und Unterdrückung in türkischen Gefängnissen. Am 29. Juli kommt es zu einer weiteren Demo von hundert Menschen vor dem türkischen Konsulat in der Menzinger Straße 3: Anfang August sollen wieder kurdische Flüchtlinge abgeschoben werden.


1 Oberstleutnant Reinhard Herden in: Truppenpraxis/Wehrausbildung 2/1996, 70.

2 Siehe www.nordsuedforum.de.

3 Siehe „Alle Jahre wieder: Hetze gegen Kurdinnen und Kurden“.