Flusslandschaft 1997

Kunst/Kultur

München glaubt, schick und in zu sein. Tatsächlich wird es im internationalen Vergleich als provinziell empfunden. Robin Page, der Paradiesvogel unter den Professoren an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, Akademiestraße 2 – 4, gibt seiner Verachtung Ausdruck.1

Lothar-Günther Buchheim will seine Expressionisten-Sammlung und weitere Nebensammlungen seiner Geburtsstadt Weimar überlassen, es sei denn, der bayrische Staat und sein Parlament unterstütze ihn. Ministerpräsident Stoiber sagt ihm, das bleibe alles hier. Da mucken die Feldafinger auf und veranstalten ein Bürgerbegehren. Buchheim: „Dass ein paar Psychopathen, Altnazis und ein wildgewordener Golfverein einen Parlamentsbeschluss umstülpen könnten, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Man muss was unternehmen gegen diesen Wahn von Bürger-
begehren. Denen ging es nicht um Kunst, sondern um Parkplätze und die Diktatur der Dümmsten.“2

THEATER

Ein freies Theater, PUNKTUM – pädagogisches, präventives Theater für Jugendliche, fällt durch alle Raster, so dass es ohne finanzielle Unterstützung aufgeben muss.3

BILDENDE KÜNSTE

Wolfgang Z. Keller plant auf den Olympiaberg seine Installation „… der werfe den ersten Stein“ zu stellen. Ein Glashaus, für Besucher offen, zeigt hinter einer Glaswand ein riesiges Porträt von Adolf Hitler. Keller will den Besucherinnen und Besuchern die „eigene Anfälligkeit für totalitäre Ziele, für Gewaltbereitschaft und Lethargie“ vor Augen führen. Das Gartenbauamt hat die Genehmigung schon erteilt, da protestiert die jüdische Gemeinde gegen das Projekt. Oberbürgermeister Ude zieht die schon erteilte Genehmigung zurück. Erst im März 1998 kann die Installation für wenige Tage im Klosterhof von St. Bonifaz gesehen werden.


1 Siehe „Eingekrempelter Krempel“ von Robin Page.

2 Stern 19 vom 30. April 1997, 160.

3 Siehe „Mehr als nur Theater“.