Flusslandschaft 1999

Frieden/Abrüstung

3. April : Ostermarsch in München „Aufbruch durch Bewegung“, 11 Uhr Ökumenischer Gottes-
dienst, Dreifaltigkeitskirche, Pacellistr. 12; 12 Uhr Treffpunkt: Marienplatz; 12.15 Kundgebung mit Tobias Pflüger (Infostelle Militarisierung, Tübingen), Stadtrat Gerd Baumann (Grußwort der Stadt München); ab 13.15 Uhr „Stationen der Friedensarbeit“: 13.10 Uhr: „Krieg und Frieden“ (Bühne 2); 13.20 Uhr: Erlassjahr 2000 (Bühne 1); 13.30 Uhr: Gewaltfreiheit soll Schule machen (Bühne 1); 13.40 Uhr: Atomwirtschaft ablösen/Stromwechsel (Bühne 2); 13.50 Uhr: Zivile Friedensdienste (Bühne 1) + verschiedene Ausstellungen: Soziale Verteidigung, gewaltfrei handeln (DFG/VK); Flüchtlinge 1933 – 1945 (VVN/BdA); Flüchtlinge heute (Münchner Flüchtlingsrat); usw., Aktion: „Minen-Memory“ (Handicap International) 16 Uhr Ausklang, Musik: Coeurs Vagabondes. Kontakt: Friedensbüro Münchener Friedensbündnis, Isabellastr. 6, 80798 München, Tel.: 089/2715917, Fax: 089/2715917.1 Die Münchner Polizei nimmt nach seiner Rede die Personalien von Tobias Pflüger auf. In der Rede sei Strafbares gesagt worden. – Am 20. Juni enden die NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien.

Zum Antikriegstag am 1. September betreibt das Münchner Bündnis gegen Rassismus ab 16 Uhr Infostände am Sendlingertorplatz, veranstaltet ab 17 Uhr eine Kundgebung und beginnt mit einer Demonstration unter dem Motto „Gegen den Kriegskurs der Bundesregierung“ um 17.45 zu Pauls-
kirche. Um 19 Uhr sprechen im Gewerkschaftshaus an der Schwanthalerstraße 64 der Münchner DGB-Vorsitzende Helmut Schmid, Landessprecherin der VVN-BdA Marion Lehmicke, Vorsitzen-
der der Lagergemeinschaft Dachau Max Mannheimer und Professor Wolfgang Wippermann. Mannheimer meint, wenn der Bundesaußenminister Josef Fischer die Teilnahme der Bundeswehr am Kosovokrieg mit der Anti-Hitler-Koalition begründe, die den deutschen Faschuismus besiegt habe, sei dies ein hinkender Vergleich. Im dem einen Fall hätten sich Länder verbündet, die über-
fallen worden sind, im anderen Fall handelt es sich um einen Bürgerkrieg in einem Land. „Die ,ethnischen Säuberungen’, die Vertreibung der Kosovo-Albaner, setzten sich während des ganzen Kriegsverlaufes fort, sie nahmen sogar zu. Und jetzt finden sie unter umgekehrten Vorzeichen statt – gegen die dort wohnenden Serben und nicht zuletzt gegen die Roma, jene Menschen, die nach den Juden zu den am meisten von den Nazis Verfolgten und Ermordeten gehörten. Gerade die Auswirkungen dieses jüngsten Krieges sollten uns schon zu überlegen geben, ob es nicht wichtig bleibt, die Forderung ‚Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!’ weiterhin als Einheit zu betrach-
ten. Und sie sollten uns lehren, sehr vorsichtig zu sein mit historischen Gleichsetzungen. Befremd-
lich ist doch, dass – wenn es kriegerisch wird – ganz schnell immer irgend jemand zum ,Hitler’ erklärt wird – ob Saddam Hussein oder Milosevic – und seine Schandtaten dann gerne regierungs-
offiziell und in den Medien mit Auschwitz verglichen werden. Ohne hier die Schandtaten solcher Potentaten verharmlosen zu wollen: Das ist Martin Walser andersherum. Wenn jede Untat in der Welt, jede Unmenschlichkeit zu einem neuen Auschwitz umdefiniert wird, gerät die Einzigartigkeit des nationalsozialistischen Massenmordes zur historischen Alltäglichkeit. Der deutsche Faschis-
mus lässt sich so als ein Stück Kriegsgeschichte abhaken – Auschwitz inklusive, Auch das ist eine Umdeutung der Geschichte, gegen die wir uns wehren müssen.“2

„Der Frosch verkauft sein Grün und wird wieder König, ohne rot zu werden.“3


1 Siehe „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“ von Tobias Pflüger.

2 antifa-rundschau 40 vom Oktober 1999, darin: Beilage antifa-nachrichten, 3.

3 Manfred Ach, Zeitzünder. Notorisches vom Mönch, München 1999, 981.