Flusslandschaft 1999

Gewerkschaften/Arbeitswelt

- Allgemeines
- DGB

- Heilberufe


Allgemeines

Leistung lohnt sich. Streng dich an, dann schaffst du es. Rauf auf die Karriereleiter. Jeder hat eine Chance! – Erfahrungen sagen etwas anderes. Es klappt meistens nicht mit dem Chancengleich-
heitsversprechen, weil deine „Mitbewerber“ dich gar nicht „mitspielen“ lassen. Sie alle sind aus einem „besseren Stall“, sie haben ihre „Verbindungen in ihrem Milieu“. Sie „riechen“, dass du nicht zu ihnen passt, sie schließen dich aus, weil die „Chemie“ nicht stimmt. Das sind oft Kleinigkeiten in den Umgangsformen, in der Sprache, im Habitus … Die Herkunft entscheidet über deine Karriere. Das ist dann Pech, aber auch manchmal Glück. Da rennen diese Gewinnertypen die Leiter nach oben. Nur, diese Leiter endet nie. Sie ist nur ein Ausschnitt aus einem Hamsterrad. Der Mythos von der Leistungselite entlarvt sich dann, wenn du ihnen ansiehst, wie verzweifelt sie sind. Eine Rolex reicht ihnen nicht, ihre Villen müssen sie dauernd renovieren, an die Türen müssen bessere Schlösser ran, die Welt besitzt nicht genügend ansprechende Urlaubsziele und: Am besten ist es sich einfrieren zu lassen, um den Tod zu überwinden. – „Mann, Alter“, höre ich da, „was für be-
knackte Vorurteile! Die, die Du Eliten nennst, halten doch den ganze Laden am Laufen. Und den meisten bei uns gehts doch gut damit! Ich sag immer, Schuster bleib bei deinen Leisten.“ Tja, immer noch verteidigen viel zu viele die schlechte Gegenwart.

„… Gerade weil sie den arbeitenden Menschen verpflichtet ist, darf die Sozialdemokratie sich am allerwenigsten aufführen wie die ‘alte Linke’, die glaubte, sozialdemokratische Wirtschaftspolitik müsse sich in erster Linie gegen die Wirtschaft richten.“1

Am 29. Mai beteiligen sich rund 30.000 Menschen am zweiten „Euromarsch“ gegen Erwerbslosig-
keit in Köln. Zwar nehmen hier auch einige Münchnerinnen und Münchner teil, aber die Ansätze, Erwerbslose in München zu organisieren und Protestaktionen durchzuführen, stoßen das ganze Jahr über auf geringe Resonanz. Am 10. Dezember sind europaweit „Aktionen gegen Erwerbslosig-
keit, Prekarität und Ausgrenzung“ geplant. Eine frustrierte erwerbslose Münchnerin berichtet.2

DGB

Erster Mai: Viele Demonstranten fordern „Keine NATO-Angriffe auf Serbien – Bundeswehr raus aus Jugoslawien“. Franz Gans trägt bei der Demonstration einen Sandwich. Auf der Vorderseite
ist zu lesen: „Bombardiert Tibet!“ Auf der Rückseite steht: „… und vergesst nicht Sidney, Kuala Lumpur, Marokko, Traunstein und Ramersdorf.“


HEILBERUFE

Ärzte, Zahnärzte, aber auch Masseure und Krankengymnasten im „Bündnis für Gesundheit Bayern“ – ein Zusammenschluss der bayerischen Heilberufe schließen ihre Praxen und de-
monstrieren am 14. Juli gegen die von der Bundesregierung geplante Gesundheitsreform 2000.3


1 Gerhard Schröder: „Alte Linke und neue Mitte. Wie Sozialdemokratie sich behaupten kann“ In: Süddeutsche Zeitung 60 vom 13./14. März 1999, 13.

2 Siehe „Liebe KollegInnen“ von Gitti Goetz.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 12. Juli 1999.