Flusslandschaft 2004

Gedenken

Sonntag, 2. Mai, ab 9.30 Uhr: 59. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau, in
der KZ-Gedenkstätte Dachau. Es spricht u.a General André Delpech, Überlebender des KZ Dachau und Präsident des Comité International de Dachau. Programm: 9.30 Uhr Russisch-orthodoxer Gottesdienst und Ökumenischer Gottesdienst im Karmel-Kloster. 10 Uhr: Gedenkfeier des Landes-
verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern
. 10.45 Uhr: Gedenkveranstaltung des Comité International de Dachau, Gedenken vor dem Krematorium, Weg zum Appellplatz, An-
sprachen vor dem Internationalen Mahnmal; Kranzniederlegung. 12.30 Uhr: Gedenkstunde am ehemaligen „SS-Schießplatz Hebertshausen“ (Friedensweg). Es sprechen: Max Mannheimer, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, Ein ehemaliger sowjetischer Dachau-Häftling. Musikalische Umrahmung: Wolfgang Kohl, Trompete. 12.30 Uhr: Tag der Begegnung im Jugend-
gästehaus, auf Einladung des Fördervereins für Internationale Jugendbegegnung und Gedenk-
stättenarbeit in Dachau
sowie der Lagergemeinschaft Dachau für Überlebende des KZ, ihre Angehörigen und alle interessierten Teilnehmer der Gedenkfeier.

Freitag, 4. Juni, 16 Uhr: Gedenkfeier: „In den Monaten April, Mai, Juni 1919, also vor 85 Jahren, wurden in München und Umgebung von der weißen Garde, einer rechten Soldateska, mehr als tausend Männer und Frauen brutal ermordet. Es waren Proletarier, Angehörige oder Anhänger
der Räteregierung und Unbeteiligte.“ Gedenkfeier im Ostfriedhof am Gedenkstein „Den Toten der Revolution“, Veranstalter ist das Archiv der Münchner Arbeiterbewegung.

Am Dienstag, 13. Juli, stellt Gavriel D. Rosenfeld im Stadtmuseum sein Buch Architektur und Gedächtnis. München und Nationalsozialismus – Strategien des Vergessens, Ebenhausen/Ham-
burg 2004 vor. Sein Fazit: Die Stadt habe im letzten halben Jahrhundert eher „eine zurückhaltende Strategie des Erinnerns“ bzw. eine „Strategie des Vergessens“ verfolgt.

Beim Hiroshima-Gedenktag sprechen am Freitag, 6. August, um 19 Uhr im Forum der Münchner Freiheit Corina Toledo-Wagner und Christine Hopf.

Hella Schlumberger und ihre MitstreiterInnen beginnen mit Aufruf, Unterschriften- und Geldsammlung für ein Georg-Elser-Denkmal am Georg-Elser-Platz.

Montag, 1. November, 11 Uhr: Gedenkfeier für die Geschwister Scholl und die Opfer des Faschismus; Perlacher Friedhof Haupteingang.

„Stolpersteine“ sind 10 × 10 × 10 cm große, in Beton gegossene Steine mit einer an der Oberseite verankerten Messingplatte, auf der in eingehämmerten Buchstaben der Name, das Geburtsjahr, die Daten der Deportation oder der Ermordung der Menschen zu lesen ist. Im Juni 2004 entschied der Stadtrat, dass „Stolpersteine“ zur Erinnerung an in München 1933 – 1945 verfolgte und ermordete Jüdinnen und Juden, Homosexuelle, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten, Anarchi-
sten, religiös Verfolgte, Sinti und Roma, Behinderte … auf öffentlichem Grund nicht verlegt werden dürfen. Oberbürgermeister Ude sprach von einer „Inflation des Gedenkens“. Charlotte Knobloch, die Chefin der Münchener Gemeinde und Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, empfand die „Stolpersteine“ als entwürdigend, weil Nazis auf ihnen rumtrampeln und Hunde auf sie pinkeln könnten. Weitere behördliche Ablehnungen der Stolpersteine: „Die Auswahl der Perso-
nen, die einen Stein bekommen sollen, erinnert an die Selektion an der Rampe in Auschwitz.“ Und: „Die Stolpersteine erinnern formal und inhaltlich an den Hollywood-Boulevard in L. A.“ – Der Sohn des im Holocaust ermordeten Ehepaars Jordan wird vor vollendete Tatsachen gestellt, in dem die Stadt die Stolpersteine, die an seine Eltern erinnern, wieder entfernen lässt. Viele Münch-
nerinnen und Münchner finden es empörend, wie unsensibel die Behörden hier vorgehen. Sofort nach dem Stadtratsbeschluss gründete sich eine Bürger-Initiative Stolpersteine für München, die seit 2008 als eingetragener Verein registriert ist. – Am 11. November sprechen unter der Modera-
tion von Reiner Bernstein im Spanischen Kulturinstitut der ehemalige Stadtdekan Hans Dieter Strack, Schriftsteller Tilmann Spengler und Marie-Luise Schultze-Jahn, Mitglied der Weißen Rose. Der in München geborene 77jährige Al Koppel, dessen Mutter und vier Geschwister die Nazis ermordet haben, begrüßt die Initiative für Stolpersteine. Die Stadt wolle, meint er, die Namen aller jüdischer Opfer auf einem Gedenkstein beim neuen jüdischen Gemeindezentrum am Jakobsplatz verewigen. Er wolle nicht, dass die Namen seiner ermordeten Familienmitglieder auf diesem Ge-
denkstein, der von der Polizei geschützt werden müsse und zudem als Ersatz für die Stolpersteine diene, zu lesen seien.