Materialien 1945

Die Vorgeschichte der Protestbewegungen ...

in München ist nicht unwichtig. Ab 1943/44 entstehen vier oppositionelle Gruppen durchaus jüngeren Alters im öffentlichen Raum Münchens. Die Exekutive ist überfordert, die Nazi-Partei schwankt zwischen Repression und Duldung. Der Krieg, den viele der Verantwortlichen schon als verloren ansehen, bindet Ressourcen.

So entstehen verschiedene „Blasn“, zum Beispiel die „Spitzblasn“. Die Swing-Leute1 treffen sich
zur Swing-Musik im Café Luitpold, andere Oppositionelle im Café Fahrig am Stachus und im Café Viktoria neben der Kleinen Komödie am Promenadeplatz.

Wer etwas auf sich hält und damit sich dezent vom Regime distanziert, trägt am Revers, am Kragen oder am Gürtel einen kleinen Anker. Andere tragen den „Henkerschnitt“, streng waagrecht ober-
halb des Kragens geschnittene Haare über einem ausrasierten Nacken.

An und für sich gab es für Uniformen eine strenge Kleiderordnung. Hitlerjungen mussten eigent-
lich ihre schwarze Bluse in die Hose stecken; nun wurde es radikal schick, das Hemd über der Hose zu tragen und darüber das Koppel zu schnallen. Auch als Wehrmachtsangehöriger konnte man sich mit einem weißen oder bunten Schal vorsichtig distanzieren.

Einige Menschen zeigten in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs im öffentlichen Raum demonstrativ eine individuelle und oppositionelle Haltung …


Rechtsanwalt Konrad Kittl2 am 21. April 2009

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1 Vgl. dazu: Barber-Kersovan, A. & Uhlmann, G. (Hg.), Getanzte Freiheit. Swingkultur zwischen NS-Diktatur und Gegenwart, Hamburg 2002.

2 12. Januar 1931 – 31. Mai 2015

Überraschung

Jahr: 1945
Bereich: Vorgeschichte

Referenzen