Materialien 1975

Erster Beitrag zum Thema „Gewalt“

In Anbetracht der Tatsache, dass die gesamte bundesdeutsche Presse seit Wochen und Monaten im Zusammenhang mit dem Prozess gegen die Rote-Armee-Fraktion/Baader-Meinhof-Gruppe spaltenlange Artikel und fette Schlagzeilen zum Thema Gewalt produzierte, nimmt es Wunder, dass mit kaum einer Zeile eine andere Form der Gewalt Erwähnung fand, gegen deren Resultate sich die Bilanz der RAF wie der Umsatz eines Tante-Emma-Ladens gegenüber einer Supermarkt-Kette ausnimmt. Nachdem die Bundesregierung am 22. Mai diesen Jahres die Zahlen der Opfer bekannt gab, muss man sich fragen, wann denn nun endlich der Prozess gegen den harten Kern der kriminellen Elternvereinigung/Vater-Mutter-Bande stattfindet.

1973 wurden 142 Kinder von ihren Eltern vorsätzlich getötet, 2.912 Kinder wurden schwer misshandelt, 12.000 Kinder geschlagen und gequält, so dass sie einen Arzt aufsuchen mussten, 74 Kinder nahmen sich das Leben, 128.000 Kinder haben keine Betten, 800.000 Kinder unter 3 Jahren sind tagsüber ohne Eltern, weil auch die Mütter berufstätig sind.

Das allgemeine Schweigen über diese Bilanz der terroristischen Gewalttäter lässt vermuten, dass der Sympathisantenkreis der kriminellen Elternvereinigung bis weit in die Spitzen der Ministerien, der Massenmedien, der Kirchen und der christlichen Parteien reicht. Sollten die Gesetze gegen die Verherrlichung von Gewalt doch verabschiedet werden, so müssten sie in erster Linie gegen diese Verfechter einer autoritären Erziehung angewendet werden.

Peter Schult


Blatt. Stadtzeitung für München 47 vom 6. Juni 1975, 2.

Überraschung

Jahr: 1975
Bereich: Militanz

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