Materialien 1985

Die langen Finger des LKA

Am Freitag, den 28. Juni, wurden in München sechs Wohnungen, eine Druckerei und unser Infoladen von Polizei und LKA durchsucht – außerdem noch eine Wohnung in Berlin, eine in Regensburg und das Büro in Mutlangen, dort ist leider auch noch eine Festnahme zu beklagen. Ziel dieser „raumdeckenden Maßnahme“ war, so unsere Einschätzung, die Beziehungen und Zusammenhänge der gerade in München und Umgebung sprießenden Strukturen zu erfassen und in die uns bekannten Computer einzuspeisen. Das sollte wohl eine Quittung für Nesselwang sein und uns darüberhinaus den Spaß verderben, massenweise den WAA-Bauplatz zu besetzen und zur befreiten Zone zu erklären. Zu polit-deutsch: Den immer breiter werdenden Widerstand gegen die WAA schon im Vorfeld zu kriminalisieren. Geärgert hat uns, dass frecherweise unsere Schreibmaschine, unser Rechnungsordner, unser Kontoordner, einige Infodienste und Vertriebsunterlagen beschlagnahmt wurden. Mittlerweile haben wir alles wieder zurückbekommen. Echten Anstoß hatte der betraute Staatsanwalt an unserem Impressum genommen und an der Dokumentation eines Bekennerbriefes. Der Abdruck solcher Briefe bedeutet offenbar für die S-Schützer schon ein Schuldbekenntnis zur dokumentierten Tat. Eine etwas ungewöhnliche Verdrehung des Presserechts! Dieser Schreckschuss aus der Nymphenburger 16 könnte ein Auftakt zu regelmäßigen unangenehmen Aktionen sein, uns eine reinzuwürgen. Um Entsprechendes durchzustehen und damit umgehen zu können heißt auch, dass unsere Leser und wir zusammenhalten müssen. Denn immer wieder liegt ein Dunst 129 a in der Luft. Die inflationäre Handhabung dieses Paragraphen durch Herrn Rebmann zieht ja bekannterweise seine Kreise bis bin zu Tierschützern. Wir wünschen uns noch mehr Kellerkinder, könnten ab und zu „a helping hand“ gebrauchen. Ansonsten geht’s uns den Umständen entsprechend. Ach ja, das Inhaltliche: Zentraler Punkt in diesem und sicher auch in folgenden Heften ist, und das nicht nur bei uns, der Widerstand gegen die WAA in Wackersdorf.


Informationsdienst München 2 vom Juli 1985, 5.

Überraschung

Jahr: 1985
Bereich: Bürgerrechte

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