Materialien 2009

Kurt Eisner in die Staatskanzlei gebracht

Da sich Stadt und „Freistaat“ offenbar schwer mit dem Gedenken an den Revolutionär tun, nahmen sich Wolfram Kastner, Frieder Köllmayr und Mitstreiter_innen am Samstag der Erinnerung an.

Am 90. Jahrestag der Ermordung des Begründers und ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, Kurt Eisner, brachten Kastner, Köllmayr, Mitglieder des Vereins „das andere Bayern“ und einige andere engagierte Münchner Bürger_innen ein Porträt Eisners in die Bayerische Staats-
kanzlei. Sie verbanden damit den Wunsch, dass „endlich auch die Bayerische Staatsregierung erkennt, dass die Demokratie in Bayern ihre Wurzeln in der pazifistischen und sozialen Revolution von 1918 hat.“

In der Kardinal-Faulhaber-Straße, nahe dem Promenadeplatz, wo Eisner vor 90 Jahren von dem militaristischen und antisemitischen Burschenschaftler Graf Anton Graf Arco auf Valley ermordet wurde, legten eine Tochter und Enkel Kurt Eisners sowie Mitglieder des Kulturvereins „das andere Bayern“ und der Kurt-Eisner-Kulturstiftung Kränze nieder.

Weder die Staatsregierung noch die Bürgermeister der Landeshauptstadt des Freistaats Bayern waren in der Lage bzw Willens, ein Zeichen des Gedenkens und der Anerkennung der Verdienste Kurt Eisners für die Republik und die Beendigung der militaristischen Monarchie zu setzen.

Frieder Köllmayr, Vorsitzender des Vereins „das andere Bayern“ machte in einer kurzen Ansprache deutlich, dass der Monopolanspruch der CSU auf den Namen „Freistaat“ „völlig unberechtigt“ sei. Da sei offenbar geschichtlicher Nachhilfeunterricht erforderlich.

Anschließend machten sich etwa achtzehn Personen auf, um ein Porträt Eisners in die Staatskanz-
lei zu bringen, damit der heutige und künftige Bayerische Ministerpräsidenten angeregt werden zu einer Politik sozialer Gerechtigkeit, friedlicher Völkerverständigung und einer offenen und freiheit-
lichen Kulturförderung im Sinne ihres Vorgängers. In der Staatskanzlei hängen zwar die Bilder der sonstigen Ministerpräsidenten Bayerns, nicht aber das von Kurt Eisner.

Blutspur zur Staatskanzlei

Auf dem Weg zur Staatsregierung hinterließ die Gruppe eine Blutspur im Schnee, die an die Ermordung von 1.000 politischen Anhängern der Bayrischen Revolution erinnern sollte.

Zwischenzeitlich wuchs die Gruppe um 21 Polizeibeamt_innen, die sich dem Spaziergang an-
schlossen: mit fünf Einsatzwagen und zwei Pferden. Sie waren allerdings historisch sehr schlecht informiert (beispielsweise über die Bayerischen Polizisten, die beim Naziputsch von 1923 an der Feldherrnhalle erschossen wurden) – und wenig an der Geschichte, sondern ausschließlich am Sammeln von Personendaten interessiert.

Wenig überraschend wertete die Polizei die Kunstaktion als nicht angemeldete „politische Versammlung“ und erstattete Strafanzeige. Es wird also voraussichtlich erneut ein absurdes Verfahren wie im Herbst 2007 geben, wo Kastner wegen einer Kunstaktion zum Konkordat vor Gericht stand.

Die Gruppe ließ sich von den Beamt_innen jedenfalls nicht sonderlich beeindrucken und setzte ihren Weg zur Staatskanzlei fort.

Dort übergab Wolfram Kastner das Portrait Kurt Eisners am Eingang einem Wachmann.

„Wir werden demnächst den Bayerischen Ministerpräsidenten um Auskunft bitten, wo das Porträt Kurt Eisners in der Staatskanzlei angebracht wird“, so Kastner. Es darf bezweifelt werden, ob Seehofer das Portrait in eine Reihe mit Franz Joseph Strauß stellt – was auch irgendwie seltsam erscheint.


www.luzi-m.org.

Überraschung

Jahr: 2009
Bereich: Gedenken

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