Flusslandschaft 2009

Gedenken

Am 14. Januar legt Geigenbaumeister Zenz zwei Stolpersteine ins Schaufenster seines Geschäfts in der Arcisstraße in Schwabing in Erinnerung an jüdische Bewohnerinnen seines Hause, die in der Nazizeit ermordet wurden.1

Die Bayrische Staatsregierung tut sich mit mit dem ersten Ministerpräsidenten des Freistaats, Kurt Eisner, schwer. Anlässlich des 90. Jahrestages seiner Ermordung trägt eine engagierte Gruppe ein Porträt Eisners in die Staatskanzlei.2

Am Sonntag, 3. Mai, finden an der KZ-Gedenkstätte Dachau die Gedenkfeiern zum 64. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers statt. – Am 10. Mai heißt es auf dem Königsplatz vor der Antikensammlung den ganzen Tag: „München liest – aus verbrannten Büchern“.

Gunter Demnig verlegte im Mai an der Kyreinstraße 3 in Sendling elf Stolpersteine zur Erinnerung an die von den Nazis deportieren und ermordeten ehemaligen Nachbarn.3

Unter dem Motto „Hiroshima mahnt“ findet am 6. August die Gedenkkundgebung des Münchner Friedensbündnisses am Münchner Marienplatz statt.

„Am 27. Oktober wird die Lichtinstallation ‚8. November 1939’ der Frankfurter Künstlerin Silke Wagner an der Westfassade der Türkenschule am Georg-Elser-Platz in der Maxvorstadt eingeweiht. Eine Minute lang leuchtet die aus Neonröhren bestehende fünf auf fünf Meter große Schrift rot auf und zwar um 21.20 Uhr, dem Zeitpunkt der Explosion des Attentats von Georg Elser auf Hitler im Bürgerbräukeller. Zwei Dutzend Neonazis halten ihre Protestversammlung, gut beschützt von der Polizei, an der Ecke Türken-/Schellingstraße ab, in ‚Ruf- und Sichtweite’ (KVR-Jargon) des Denkmals. Karl Richter und Philipp Hasselbach versuchen immer wieder, Elser als Mörder darzustellen, kommen aber nicht zu Wort, weil ‚Nazis raus!’-Rufe sie daran hindern. Trotzdem schleichen sie sich einzeln nach Ende ihrer ‚stationären Versammlung’ (KVR-Jargon) an das Denkmal heran und entzünden flugs acht Kerzen, sieben für die beim Attentat getöteten ‚alten Kämpfer’ des Nationalsozialismus, eine für die Bedienung. Die Polizei läßt sich Zeit damit, sie zurückzudrängen. – Vorgeschichte: Die Idee eines Elser-Denkmals hatte die Georg-Elser-Initiative München bereits seit fünfzehn Jahren verfolgt. 1997 war es ihr gelungen, den bislang namenlosen Platz an der Türkenstraße auf Georg Elser zu taufen. Erst 2007 berief das Kultusministerium eine Jury ein, die eine Ausschreibung machen und sich dann für einen Entwurf entscheiden sollte, der vor allem eines zu sein hatte: ‚zeitgenössisch’. Zur Jury gehörte auch Hella Schlumberger, die 5.000 Euro Anschubfinanzierung mitbrachte und Zeichnungen und Modelle von fünf Künstlern, von denen aber kein einziger in die engere Wahl kam. – Unter den fünf von der Jury bestimmten Künstlern war der Wagner-Entwurf noch am neutralsten. Aber genau das hatte die Georg-Elser-Initiative verhindern wollen: Elser sollte dem Volk zurückgegeben werden, aus dem er stammte. Die Leute sollten sich neben ihn (‚Elser auf dem Weg’ und zwar von seiner Wohnung in der Türkenstraße zum Bürgerbräukeller am Gasteig) auf das Mäuerchen um die Kastanie setzen und das Gefühl haben: ‚Wir sind stolz auf Dich, Schorsch!’ Aber diese Idee – die Elser nicht unbedingt im Naturalismus unterbringen wollte – wurde von der Jury schnell in die Ecke des Kunstbanausentums verbannt. – Anwohner, Lehrerinnen und Elser-Kenner protestierten mit einer Unterschriftenliste ‚Kein Neon für Elser’ dagegen, hatten aber keinen Erfolg. Die Georg-Elser-Initiative forderte ihre 5.000 Euro Anschubfinanzierung von der Stadt zurück und bekam sie auch nach einem kurzen juristischen Geplänkel. Sie ist weiterhin auf der Suche nach einem ‚würdigen Denkmal’ für Georg Elser.“4

Am 8. November findet die Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogromnacht von 1938 in der KZ-Gedenkstätte Dachau statt. Es spricht die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Heide Langguth.


1 Siehe „14. januar“.

2 Siehe „Kurt Eisner in die Staatskanzlei gebracht“.

3 Siehe „Spurensuche in München“.

4 Hella Schlumberger am 7. April 2011; siehe auch „Hintergrund des Kampfes für ein Georg-Elser-Denkmal in München“ von Hella Schlumberger.