Flusslandschaft 1967

SchülerInnen

Die Münchner Protestsonggruppe des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) hegt Zweifel daran, dass Kinder in der Schule Vernünfiges lernen.1

„… Man bekommt immer wieder zu hören, die Querelen über die Aufgeschwemmtheit der Lern-
pensen seien weit übertrieben. Der körperliche und nervliche Substanzschwund der Jugend, ihre rasche Ermüdbarkeit, ihr angeschlagenes Konzentrationsvermögen, fehlendes Interesse überhaupt verleiteten dazu, objektiv durchaus noch maßvolle Anforderungen für unzumutbar zu erklären. Dieser Generaleinwand scheint mir keineswegs stichhaltig. Legt man Stoffpläne von heute und etwa 1920 ff. nebeneinander, wird man auch als Laie unschwer erkennen können, dass die Ver-
ästelungen und Erweiterungen der Wissensgebiete sich auf das Drückendste ausgewirkt haben. Dies um so mehr, als man das inzwischen Dazugekommene meist einfach auf das Bisherige drauf-
gepackt, beides nicht auf neue Zielpunkte der Pädagogik hin gegeneinander ausgewogen, nicht Spreu vom Weizen getrennt hat. Quantität, nicht Qualität beherrscht noch immer das Unterrichts-
bild …“2

Vom 3. bis 30. Oktober können sich Münchnerinnen und Münchner für ein Volksbegehren einschreiben, das die christliche Gemeinschaftsschule als Regelschule zum Ziel hat.3

Die Proteste der Studierenden wirken bis in die Schulen hinein. Franz Gans, der auf ein Gymnasium geht, das ihn tierisch nervt, bearbeitet Papier mit agitatorischen Hintergedanken:

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Franz Gans: Schulstreik — Deckfarben auf Papier, 59 × 77,5 cm


1 Siehe „Was hast du heut’ in der Schul’ gelernt“.

2 Klaus E. Herrmann, „Zwanzig Jahre Schul-Manipulationen. Haben die Schulpolitiker seit 1945 das Notwendige zur Sichtung der Unterrichtsstoffe an den Schulen getan?“ in: Politische Studien. Zweimonatsschrift für Zeitgeschichte und Politik 172 vom März/April 1967, 168.

3 Siehe „Schulbeginn mit viel Sorgen“.

4 Privatsammlung

Überraschung

Jahr: 1967
Bereich: SchülerInnen

Materialien