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Rückmeldungen

Am 7. April beginnt die Veranstaltungsreihe “Protest in München seit 1945” mit der Eröffnung der Ausstellung von Branko Senjors Fotos von den Ereignissen in der Münchner Kunstakademie 1968. Bei der Eröffnung im großen Saal des Stadtmuseums spricht die Hausherrin, die Kuratorinnen der Veranstaltungsreihe, die Herausgeberin des Buchs, der Münchner Kulturreferent, die Kunsthistorikerin Dr. Birgit Jooss und Stadtrat Siegfried Benker.1 Ebenfalls am 7. April geht protest-muenchen.sub-bavaria online. Noch am selben Tag erreichen den Betreiber der Seite eine Anzahl von mails, die nicht nur loben, sondern auch tadeln. Hier einige, hoffentlich angemessen zusammengefasste Kernaussagen:

► „Antideutsche sollten eigentlich hier bei Euch kein Forum bekommen.“
► „Es ist nur schwer erträglich, dass auf Eurer Seite auch Franz Josef Strauß und sogar Hans Jochen Vogel zu Wort kommen.“
► „Die web-Seite vermeidet den Bezug auf den Klassenkampf des Proletariats und kann daher nur tendenziell als fortschrittlich gelten.“
► „Ich selbst, P.R., hatte eine führende Rolle in der Anti-Atombewegung. Warum werde ich nicht erwähnt!!?“
► „Ich habe Textbeiträge gefunden, die zum Teil offen oder versteckt zur Gewalt aufrufen. Davon haben Sie sich nicht distanziert …“
► „Wie kommen einzelne Figuren überhaupt auf die Idee, ohne eine breite Meinungsbildung in der linksalternativen Szene, diese darzustellen und damit auch die Deutungshoheit über uns alle zu beanspruchen!!??“
► „Dass Ihr obskuren Gruppen Platz einräumt, grenzt ans Sektiererische.“
► „Wer den Anspruch erhebt, linkspluralistisch alle Strömungen zu Wort kommen zu lassen, driftet ins Beliebige und damit Standpunktlose ab. Eure Sammlung ist bestenfalls eine Wundertüte, aus der hin und wieder ein Kasper heraushüpft, der unvermittelte Agit-Prop-Parolen plärrt.“
► „Das Plakat des Projekts ‚Protest in München’ ist frauenfeindlich und eine Unverschämtheit.“2

In den folgenden Tagen treffen weitere, ausführlichere Stellungnahmen ein.3

Nicht wenige Akteurinnen und Akteure des Protestgeschehens der vergangenen Jahrzehnte bemängeln enttäuscht, dass wichtige Initiativen und ganze Protestfelder entweder ausgeblendet sind oder nur unzureichend dargestellt werden. Die Konflikte mit dem politischen Katholizismus, mit der CSU, mit der Psychiatrie und vieles mehr kämen zu kurz. Einige Kritikerinnen und Kritiker vermuten in ihren Briefen und Anrufen, dass die Interessenlage des finanzierenden Auftraggebers, hier das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, gar nicht anders konnte als mit Selbstzensur die allzu heiklen Konfliktpunkte auszublenden. Die heftigen Proteste gegen Hans-Jochen Vogels Konzept, München zur autogerechten Stadt auszubauen, oder die Proteste gegen die Auswirkungen der Olympiabewerbung, Anlass, unter dem Motto „München wird moderner“ zum Beispiel in der Maxvorstadt Weichen zu stellen, die eine Verdrängung der angestammten Bevölkerung zur Folge gehabt hätte, alle diese Proteste gegen einen Vorgänger des heutigen SPD-Oberbürgermeisters könnten diesem nicht gefallen. „Kritik an vergangener Planungswillkür mündet vielleicht in Kritik an gegenwärtiger Planungswillkür,“ so eine Kritikerin.

Tatsächlich bekamen die einen Protestfelder und Protestinitiativen angesichts der Fülle der Ereignisse und Akteurinnen und Akteure zunächst den Vorzug vor anderen; tatsächlich wurden problematische „heiße Eisen“ zunächst eher mit spitzen Fingern angefasst. Wer traut sich – um ein Beispiel zu nennen – heute zu, mit den Protesten Pädophiler, die sich in den 80er und 90er Jahren der schwulen Comunity angeschlossen haben, sinnvoll umzugehen, ohne sich mit der Materie intensiv auseinandergesetzt zu haben. Proteste zu erwähnen ist nicht weiter schwierig. Sie zu bewerten braucht es ein analytisches Instrumentarium.

Kritik an verschiedenen Unterlassungen und Fehlern der bis jetzt vorliegenden Arbeitsergebnisse ist berechtigt, auch wenn manche vermutete Voraussetzungen nicht zutreffen. Alle, die sich benachteiligt oder unzutreffend dargestellt fühlen, sind eingeladen, auf der Web-Seite protest-muenchen.sub-bavaria zu korrigieren und zu ergänzen.


1 Siehe „Rede vom 7. April“.

2 Siehe „protest“.

3 Siehe „Kritische Stimmen“.

Überraschung

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