Flusslandschaft 1970

Umwelt

„Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte in ortsüblichem Umfang ist jedermann gestattet … Staat und Gemeinden sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen und Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen sowie Wanderwege und Erholungsparks anzulegen.“1 So steht es im Artikel 141 der Bayrischen Verfassung und deshalb machen sich am 11. Juli 1970 dreihundert Münchnerinnen und Münchner an den Barmsee auf, dessen Ufer fast vollständig dem Baron von Finck gehört, zerstören einen Zaun, kleiden sich in einer seiner Badehütten um und veranstalten ein Swim-In.2 — Hundert Sympathisanten der DKP sowie Jungsozialisten besetzen am 5. September die Seeuferstreifen des Großindustriellen Friedrich Flick in Seeshaupt und fordern freien Zugang zu den bayrischen Seeufern. Die Losung lautet „Seeufer für Millionen – nicht für Millionäre“.

Bei der ersten Demonstration gegen Luftverpestung in München stülpen sich fünf Münchner Chemigraphen Gasmasken um und protestieren am 30. Oktober mit Flugblättern gegen die Luftverschmutzung. Auf einer Tafel ist zu lesen: „Vergiftete Umwelt fördert Krebs!“3 Im Dezember findet eine weitere Demo gegen Luftverpestung statt.4 — Karl H. Schillinger, der Photos graphisch bearbeitet, meint: „Mercedes und BMW liefern Autos mit Katalysator in die USA, aber bei uns fahren die Kisten ohne.“5


1 Bayerische Verfassung vom 2. Dezember 1946 in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Dezember 1998; siehe „Umwelt“ in der Flusslandschaft 1971.

2 Vgl. konkret. Monatszeitung für Politik und Kultur 17 vom 13. August 1970, 13 f.

3 Vgl. Abendzeitung 253/1970. Fotos von Dimitri Soulas, Fotomuseum.

4 Fotos von Dimitri Soulas, Fotomuseum.

5 Siehe „Schöne neue Welt“ von Karl H. Schillinger.

Überraschung

Jahr: 1970
Bereich: Umwelt

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