Materialien 2013

26. september

Wer sich am 26. September gegen Mittag der Musikhochschule in der Arcisstraße 12 nähert, dem fällt zunächst einen Konvoi bedrohlich aussehender Fahrzeuge auf, deren Aufschriften an das hier 1938 abgeschlossene „Münchner Abkommen“ erinnern.

Am Haupteingang der Hochschule weist ein Anschlag darauf hin, dass „Unbefugte“ das Gebäude nicht betreten dürfen. Eintreten dürfen allerdings die Besucherinnen und Besucher eines Symposiums, an dem auch der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, teilnimmt. Dieser meinte vor kurzem: „Ich möchte, dass der Sudetendeutsche Tag noch in diesem Jahrzehnt erstmals auch in der tschechischen Republik stattfindet.“

Auf dem Vorplatz vor dem Haupteingang sind einige Menschen mit seltsamen Aktivitäten beschäftigt. Ein Mann wird vorbereitet und schließlich sieht er aus wie der 1956 geborene
und 1945 aus seiner Heimat, dem Sudentenland, vertriebene Bernd Posselt.

Besucherinnen und Besucher des Symposiums „75 Jahre Münchner Abkommen“, das heute in
der Musikhochschule stattfindet und an dem auch Posselt teilnimmt, freuen sich, vom „wahren“ Posselt ein Flugblatt in die Hand gedrückt zu bekommen.

Während Besucherinnen und Besucher dem Symposium zu eilen, sprechen Stadträtin Brigitte Wolf, Hedwig Krimmer, Gewerkschaftssekretärin, Mitglied des Arbeitskreis “Aktiv gegen rechts”
in ver.di München, Mitorganisatorin der Nachstellung des Münchner Abkommens 1995 und Dr. Klaus Hahnzog, Bayerischer Verfassungsrichter, Vorsitzender des Beirats der Weißen-Rose-
Stiftung
. Seit zwölf Wochen setzte er sich für eine Musikveranstaltung am 29. September in
der Musikhochschule ein. Hochrangige Künstler wie die “Neue jüdische Kammerphilharmonie Dresden” und das weltberühmte Vogler-Quarteff wollten Stücke des verfolgten und verfemten jüdischen Komponisten Erwin Schulhoff spielen – doch die Bayerische Staatsregierung lehnte
die Freigabe der Musikhochschule dafür ab.

Einem der traditionelle Tracht tragenden Besucher, der sich heftig über die „Kommunisten“ aufregt, entgegnet eine der Demonstrantinnen spontan: „Ich bin Römerin. Ich fordere die Rückkehr Bayerns in die Grenzen des alten Römischen Reichs.“


Text und Fotos: Franz Gans

Überraschung

Jahr: 2013
Bereich: CSU