Flusslandschaft 2014

Kapitalismus

„Die auf Wirtschaftswerte heruntergekommene Metaphysik predigt den Aufschwung.“1

Im Vergleich zu den Arbeiterinnen und Arbeitern verdienen Aufsichtsräte im gleichen Laden viel zu viel. Belegschaftsaktionäre wollen das ändern und stellen bei der Hauptversammlung 2014 der Siemens AG am 28. Januar in der Olympiahalle einen Gegenantrag.2

Bundeskanzlerin Angela Merkel meint am 29. Januar: „Eine Politik, die den Menschen in den Mit-
telpunkt ihres Handelns stellt, setzt deshalb alles daran, dass alle, dass die ganze Welt die Lektio-
nen aus dieser damaligen Krise lernt. Eine davon ist und bleibt: Kein Finanzmarktakteur, kein Fi-
nanzprodukt und kein Finanzplatz darf ohne angemessene Regulierung bleiben; Finanzakteure müssen durch die Finanztransaktionsteuer zur Verantwortung gezogen werden.“ Diese Worte blei-
ben bis Ende 2021 folgenlos. Dafür ist eine Aktiensteuer in Planung, die aber weder den fragwürdi-
gen, computerbasierten Hochgeschwindigkeitshandel ausbremsen noch Finanzwetten mithilfe von Derivaten erfassen würde.

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Am 4. und 5. Juni 2015 treffen sich im oberbayerischen Elmau die Staats – und Regierungschefs und -chefinnen der sogenannten „G7“. Wenn die politischen Eliten Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten zu einem solchen Gipfel zusammen kommen, so tun sie dies in dem Selbstverständnis, die „bedeutendsten Industriena-tionen der Welt“ zu repräsentieren …!4

Apple-Chef Tim Cook verdient mit seinen Anstrengungen im Jahr mit Gehalt, Aktienoptionen und Boni 378 Millionen Dollar, ungefähr das 6.200fache eines Durchschnittsangestellten. Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer. Politikerinnen und Politiker meinen, wenn die Wirtschaft wieder wächst, gehe es auch allen besser. Tatsächlich hinken Wachstumsraten von Einkommen und Produktion immer den privaten Kapitalrenditen hinterher.5

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Seit Ende des Jahres gibt es Kapitalismuskritik vom feinsten!7

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Schaufenster einer Änderungsschneiderei in der Schleißheimerstraße in Schwabing-West

In Deutschland besitzen die 45 reichsten Haushalte so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Beide Gruppen kamen im Jahr 2014 jeweils auf insgesamt 214 Milliarden Euro Vermögen.9

(zuletzt geändert am 13.10.2021)


1 Manfred Ach, Feierabend. Letztes vom Mönch, München/Wien 2014, 7178.

2 Siehe „Gegenantrag“.

3 Flugblattsammlung, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung.

4 Siehe www.stop-g7-elmau.info/information/aufruf/

5 Näheres dazu steht in Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, München 2014.

6 Grafik: Bernd Bücking. In: Conrad Schuhler, Widerstand. Kapitalismus oder Demokratie, isw-Report Nr. 96, Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung München e.V., März 2014, 21.

7 Siehe www.hausbartleby.org/

8 Foto: Richy Meyer

9 https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-45-superreiche-besitzen-so-viel-wie-die-halbe-deutsche-bevoelkerung-a-1189111.html

Überraschung

Jahr: 2014
Bereich: Kapitalismus