Materialien 2013

Ham mir a Gaudi!

Da wurmt sich was durch die Häuserfluchten, Gaudiwurm haben wir früher dazu gesagt, eine tolle Sache, das, dieser Zug, zuerst eröffnet von einem leise surrenden Polizeiauto, von dessen Haupt eine rote Schrift digital laufend berichtet: „Veran – staltung - Veran – staltung - Veran – staltung“. Hinter ihm hüpfen frierende Sambatänzerinnen, drei sinds an der Zahl, die der mitlaufende Tam-
bourmajor immer wieder mit seinem Stöckchen brüderlemäßig zu betatschen versucht. Ein Laut-
sprecher ruft „Servus München“.

Am Straßenrand verharren ein paar Gaffer, eine Mutter mit weit aufgerissenen Augen bedeckt mit ihrer Hand die Augen ihres sechsjährigen Schratzen. Und da kommt er schon, der erste Wagen mit lustiger Musik, um ihn herum bunte Kleidung an Menschen. Eiskalt kriecht es dem Zuschauer die Beine hoch. Hinter ihm ruckelt der zweite Wagen, auf ihm Narren, die behaupten, der CSU anzuge-
hören. Sie unterstreichen ihre echt richtige Wichtigkeit, indem sie gezielt mit Bonbons werfen. Auf dem Einwickelpapier heißt es „CSU“. Huldvoll grüßt Seppi Schmidt sein Volk mit einer geringen Beimischung kalter Verachtung. Grüßt das Volk zurück? Bevor das Volk nachdenkt, ob „München in Wechselstimmung“ ist, ist der Wagen vorbeigefahren. Dann wieder: bunte Kleidung an Men-
schen, die sich unrhythmisch bewegen. Spielmannszüge, Spielfrauszüge pfeifen, trommeln, blasen.

Die „Münchner Westerngarde“ lärmt, die „Mallorca-Cowboys“ ebenso. Doch da kommt er, der dritte Wagen. Auf ihm stehen sozialdemokratische KANDIDATEN. Grimmig winken sie ins Nichts. Froh sind sie, fröhlich, so soll es scheinen. Ihr Motto lautet „SPD heißt: Einer für alle – alle für Einen“. Aber wo sind die Bonbons? Ein Kind ist schwer enttäuscht. So geht das nicht, SPD, so
wird das nichts! Und wo ist der Wähler? Bitte, Gott, gib uns einen Wähler! Sitzt er auf dem vierten,
dem letzten stumpfen Wagen, von dem aus eine frohgemute Weise erklingt? Einige Gaffer rennen fluchtartig in Nebenstraßen, bunt gekleidete Menschen rufen „Helau“. Die Stretchlimo der „Mu-
nich Diamonds“ ist wirklich verdammt lang. Japanerinnen trippeln vorbei, sich suhlende Sumo- Kämpfer schwitzen, in Bienenkostüme gezwängte Mädels grinsen verbissen.

Den schlussendlichen Höhepunkt des schaurigen Zuges bildet eine Brigade orange gekleideter Straßenreiniger, die alles aufkehren, was überflüssig: Konfetti, Luftschlangen, Pappbecher, CSU- Bonbons. Damit die Stadt wieder so rein wird, wie sie schon immer nie war. Wehmütig weht weiß-
licher Wind durch die wüsten Weiten einer Münchner Zone für Fußgänger. Federico Fellini ist nichts dagegen! Von Ferne klingen Fetzen von Trompeten und Trommeln, ein trauriger Kaschperl biegt um die Ecke …

Faschingsumzug 2013. Dass es so was noch gibt!

Danke, Kranke!

Carola von Kazheim-Ruhzinkel


zugeschickt am 5. Februar 2013

Überraschung

Jahr: 2013
Bereich: CSU