Flusslandschaft 2004

Kapitalismus

Die Ökonomie kommt zuerst. Der öffentliche Raum gehört nicht mehr allen; eine forcierte Enteignung findet statt.1

Vier Jahre nach der Übernahme von Mannesmann durch die britische Vodafone werden die Prä-
mien an deutsche Banker und Manager jetzt vor Gericht verhandelt. Neben Klaus Zwickel, Klaus Esser und anderen steht Josef Ackermann, Opus Dei-Mitglied, regelmäßiger Teilnehmer der Bil-
derberg
-Konferenzen und seit 2002 Vorstandssprecher der Deutschen Bank, am 21. Januar wegen Untreue bei einer Abfindung von insgesamt ca. 58 Millionen Euro vor Gericht. Die Presse giert nach Sensationen. Ackermann sagt vor Beginn der Verhandlung lächelnd zu Prozessbeobachtern, „das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen“ und er macht später mit Zeige- und Mittelfinger scherzhaft das Zeichen für „Victo-
ry“, wie es einmal Churchill tat, als er den Sieg über Nazi-Deutschland beschwor. Das Ackermann-
sche Bild löst vielerlei Proteste aus. Jetzt erst bemerkt der Banker die Unangemessenheit seines Auftritts. Später meint er, er habe im Kreise seiner Verteidiger und Mitangeklagten über Michael Jackson gesprochen, der wegen Kinderschändung vor Gericht kam. Und er habe mit dieser Geste zum Ausdruck bringen wollen, wie seinerzeit der Popstar vor Gericht seine Unschuld beteuert habe.2


1 Siehe „Tägliche Körperverletzungen, juristisch nicht relevant“ von Günther Gerstenberg.

2 Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Februar 2004.

Überraschung

Jahr: 2004
Bereich: Kapitalismus