Flusslandschaft 1972
Kinder
Im Theater der Jugend findet die Uraufführung von „Besser keine Schule als …“ von Helmut Wal-
bert, Regie Hartmut Baum, am 8. Januar 1972 statt. Der Autor: „… Danach entwarf ich ein Stück über Schule, nicht über Lehrer als Figuren, die man ablösen mußte, wie es in den Kritiken stand: »Besser keine Schule als …« Schule – ein Vorgang, der nur zum Entmündigen da war und nur dazu gebraucht wurde. Das Komische ist, daß sich das durchgesetzt hat, obwohl die Lehrerhaltung aus-
getauscht wurde, als die 68er Lehrer kamen. Aber sie hatten auf Dauer keine andere Möglichkeit, als das System weiter festzuklopfen und die Leute in das System hineinzubiegen und hineinzupres-
sen … Zu jeder Aufführung gab es eine Diskussion. Jeder hatte etwas dazu zu sagen. Die einen fan-
den es toll, daß der Schule mal eins ausgewischt wurde, die anderen fanden es unnötig, die schwere Rolle der Schule auch noch dadurch zu erschweren , daß man so ein blödes Stück schreibt. Es ging darum zu zeigen, wie Schule instrumentalisiert ist, Verkrustungen offenzulegen. Jede Menge Schulklassen besuchten die Aufführungen …“1
In Münchner Vorstädten wachsen Kinder auf, die keine Chancen haben. Ein vierzähnjähriger Junge nimmt sich das Leben. Norbert Kückelmann dreht darüber einen Film.2
Jährlich werden in der Bundesrepublik etwa 100 Fälle aktenkundig, in denen Eltern oder Erzieher Kinder getötet haben. Vermutet wird, dass 90 Prozent aller Fälle nicht erkannt werden. Der Deut-
sche Kinderschutzbund vermutet, dass in jedem Jahr etwa 1.000 Kinder zu Tode geprügelt oder gequält werden.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften entscheidet gegen Bravo: „… Ausgaben Nr. 6 und 7/72 … geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu verwirren.“3
(zuletzt geändert am 28.12.2025)
1 Zit. in: Gudrun Lukasz-Aden, Der eine kämpft, der nächste erntet. Vierzig Jahre Theater der Jugend. Vierzig Jahre Theater-Geschichte, (München 1993), 30.
2 Siehe „Die letzten Jahre der Kindheit“.
3 Zeitschrift für Sexualpädagogik 3/1972.