Flusslandschaft 1972

Umwelt

Oberfranken demonstrieren am 19. August vor dem Umweltschutzministerium.1

Ein Kernsatz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung lautet grob zusammengefasst „Weiter, höher, schneller“. Privatkapitalistische Konkurrenz ist auf Zuwachsraten angewiesen; wer sich mit dem Erreichtem zufrieden gibt, scheitert. Ein zentraler Glaubenssatz der überall propagierten Fortschrittsgläubigkeit lautet, dass, wenn nur das Wirtschaftswachstum garantiert sei, alle anderen Probleme gelöst werden könnten – vom Hunger in der Welt bis zum Umweltschutz vor der Haustüre. Der nüchterne Blick auf die Realität straft diese Metaphysik allerdings Lügen. Der Club of Rome, ein think tank von Industriellen, Politikern und Wissenschaftlern veröffentlicht 1972 seinen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, den Dennis Meadows zusammengestellt hat. Mit dieser Studie wird erstmals im Rahmen verschiedener Szenarien eine Prognose für die zukünftige, destruktive Weiterentwicklung der Welt erstellt und eine neue Ära der nichtmarxistischen Kritik am Kapitalismus eingeläutet, die zu einem der Ideengeber für alternative, ökologische und pazifistische Bewegungen wird. – Am 5. November kommt es zu einer Kundgebung bei der Reformationsfeier in der Matthäuskirche.2

Viele Umweltschutzinitiativen schließen sich zusammen; 1972 entsteht der Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). 1977 zählt der BBU 300.000 Mitglieder.


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung 190/1972.

2 Vgl. Süddeutsche Zeitung 255/1972 und 256/1972.

Überraschung

Jahr: 1972
Bereich: Umwelt

Schlagwörter