Flusslandschaft 1976

Frauen

Mit 234 gegen 181 Stimmen wird am 12. Februar im Bundestag das „erweiterte Indikationsmodell“ verabschiedet.

Am 21. Februar findet die Kundgebung des „Komitees für Volksentscheid“ gegen den § 218 statt.1


„Männlich/weiblich – In vielen Zeitungen ist der Stellenmarkt noch unterteilt in ‚Männlich/Weib-
lich’, Der AK ‚Emanzipation von Frau und Mann’ des OV München setzt sich bei den Zeitungsver-
lagen für die Abschaffung dieser Untergliederung ein, da in aller Regel qualifizierte Arbeitsplätze nur den Männern angeboten werden. Das widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Der OV München bittet die Leser der Mitteilungen um Unterstützung: Senden Sie folgenden Abschnitt ausgefüllt an Wolfgang Killinger, Buchendorferstraße 7, 8035 Gauting.“2

„8. Mai: ‚Die Frau in der Gesellschaft’: Staatssekretär Peter Glotz und Psychotherapeut Horst Eber-
hard Richter klären auf einer SPD-Fachkonferenz in München die 400 überwiegend weiblichen Besucherinnen darüber auf, was ‚Frauenbefreiung’ bedeutet hat und bedeutet. Das andächtig lauschende Publikum wird erst zur kritischen Masse, als Mabry die frauenfreie Experten-Riege herausfordert: ‚Gegen diese Referenten waren die Gründerväter Engels und Bebel ja radikale Feministen! Allerhand, was die SPD uns nach fast zehn Jahren Neuer Frauenbewegung hier bietet!’“3

Die Frauenoffensive fing Ende 1974 mit der Aufbauarbeit an und eröffnete 1975 den Frauenbuch-
laden
. 1975 kam es zur ersten großen Frauenveranstaltung im Schwabinger Bräu. Frauen infor-
mierten Frauen über ihren Widerstand gegen den § 218, über die Schwangerschaftsberatung und alternative Empfängnisverhütung. Der Verlag Frauenoffensive befand sich 1976 in der Kellerstraße 39 in Haidhausen. Im Juni 1976 kommt es in der Olympiamensa am Helene-Mayer-Ring 9 zur Veranstaltung „Gewalt gegen Frauen“.

In der Adlzreiterstraße 27 befindet sich das Frauenforum. Die Platzverhältnisse sind sehr beengt. Das neue große Frauenzentrum entsteht in der Gabelsbergerstraße 66 in der Maxvorstadt und wird am 8. Juni eröffnet. Im Erdgeschoss wird eine Teestube eingerichtet. Es treffen sich im Zentrum Selbsthilfegruppen, die Selbstuntersuchungen machen und sich mit alternativer Medizin beschäfti-
gen, Selbsterfahrungsgruppen, eine Fotogruppe, die Gruppe „Gewalt gegen Frauen, die Gruppe „Rosa“ (Geschichte der Frauenbewegung), die Gruppe „Mütter mit Söhnen“, die § 218-Beratungs-
gruppe, Therapiegruppen, eine Web- und Malgruppe, eine Lesbengruppe … – Am 21. Juni tritt das neue Gesetz in Kraft. Das „Indikationsmodell“ (§ 218) ersetzt die „Fristenlösung“.

Seit 8. Juli gibt Hannelore Mabry die Zeitschrift Der Feminist. Beiträge zur Theorie und Praxis heraus.

Siehe auch „Männer“.


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung 44/1976.

2 Mitteilungen der Humanistischen Union 74 vom März 1976, 7.

3 Der Feminist. Beiträge zur Theorie und Praxis 21/1991, München, 30.