Flusslandschaft 1979

Internationales

Iran
Vietnam und VR China
Argentinien
Guatemala
Türkei
Nicaragua
VR China und Taiwan
Afghanistan, UdSSR und USA


IRAN

Am 2. November 1978 besetzten fünfzehn persische Staatsangehörige das Iranische Kaiserliche Generalkonsulat in der Prinzregentenstraße 78 und fanden dabei Schriftstücke, die sie übersetzen und jetzt im Blatt veröffentlichen.1

Studenten demonstrieren am 14. September im iranischen Generalkonsulat gegen Praktiken der neuen Regierung.2

Studenten aus den USA demonstrieren am 16. November für Geiselfreilassung im Iran.3

VIETNAM und VR CHINA

Am 19. Februar finden Kundgebungen gegen den Einmarsch Chinas in Vietnam statt.4

ARGENTINIEN

1978 sagte die Bundesregierung zu, fünfhundert politische Gefangene aus Argentinien aufzuneh-
men. Nichts ist geschehen. Am 24. März protestiert das Münchner Lateinamerika Komitee da-
gegen in der Fußgängerzone und fordert auch die Landeshauptstadt München auf, sich um das Schicksal des Münchners Klaus Zieschank zu kümmern, der am 26. März 1976 in Argentinien spurlos „verschwunden“ ist.5

GUATEMALA

Manuel Lopez Balam, Generalsekretär der Gewerkschaft der Arbeiter in der Getränkeindustrie, wird am 5. April beim Getränkeausfahren erschossen.

TÜRKEI

Am 14. April demonstriert der rechtsextreme „Türkische Idealistenverein“ für die NATO.6

Türken demonstrieren am 23. Juni gegen die rechtsextreme türkische Organisation Graue Wölfe.7

Im Herbst versuchen zwei Türken ein Plakat zum Wahlboykott beim türkischen Konsulat in der Menzingerstraße 3 zu kleben. Ein Konsulatsangehöriger feuert 7 bis 8 gezielte Schüsse und verletzt dabei einen unbeteiligten Passanten.8

NICARAGUA

Unter Führung der 1961 gegründeten Sandinistische Front der Nationalen Befreiung (FSNL) siegt nach über vier Jahrzehnten Diktatur im Juli der Volksaufstand in Nicaragua. Am 17. Juli 1979 flieht Anastasio Somoza Debayle mit seinen Schergen ins Ausland. Ein breites Bündnis von konser-
vativen Kräften bis zur FSLN übernimmt die Regierung, wobei die FSLN bald tonangebend ist und sich die wichtigsten Machtpositionen sichert.

Zu den ersten Maßnahmen der neuen Regierung gehören die Enteignung des Besitzes der Familie Somoza, die Verstaatlichung der Banken und Minen, die Abschaffung der Todesstrafe, die Etablie-
rung der Meinungsfreiheit, umfangreiche Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen sowie eine Agrarreform zu Gunsten landloser Bauern.

1981 beginnt die USA-Administration damit, die geflüchteten Nationalgardisten zu sammeln, um eine Contra-Guerilla aufzubauen, und errichtet in den Nachbarstaaten El Salvador, Honduras und Costa Rica Interventionsbasen. Mitte der 80er Jahre befinden sich 12.000 bis 17.000 Contras in Honduras. International und auch in München laufen Solidaritätsaktionen für das revolutionäre Nicaragua an.

VR CHINA und TAIWAN

Taiwan-Chinesen protestieren am 26. Oktober gegen den Besuch von Chinas Partei- und Regie-
rungschef Hua Guofeng.9

AFGHANISTAN, UDSSR und USA

Seit 1978 stellt die Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVAP) die Regierung im Lande.
Ihr Ziel ist eine Alphabetisierungskampagne, die Emanzipation der Frau, Säkularisierung, eine Landreform und gleiche Rechte für alle Volksgruppen im Lande. Die mittelalterlich anmutenden, feudalen Gesellschaftsstrukturen stehen diesem Modernisierungsprogramm im Wege. Die be-
nachbarte Sowjetunion unterstützt das Programm der neuen Regierung. Islamisten, Volksgruppen und Feudalherrn, die um den Bestand ihrer Privilegien fürchten, beginnen dagegen mit Sabotage-
aktionen.

Für die US-Administration ist alles, was die Sowjetunion unterstützt, des Teufels. Ihre führenden Strategen imaginieren Planspiele, in denen die Destabilisierung der afghanischen Regierung die Regierung der Sowjetunion zu einem militärischen Eingreifen provoziert und naturgemäß damit schwächt. Ab Juli 1979 beginnt die US-Administration noch inoffiziell und unter Geheimhaltung mit der Unterstützung der Islamisten.

Die Sowjetunion lehnt zunächst eine militärische Unterstützung der in die Defensive gedrängten afghanischen Regierung auch auf Bitten der DVPA hin ab. Erst nach einer weiteren Eskalation und einem Putsch innerhalb der DVPA marschieren sowjetische Soldaten im Dezember in Afghanistan ein.


1 Siehe „Dokumente der Kollaboration“.

2 Vgl. Süddeutsche Zeitung 213/1979.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung 267/1979.

4 Vgl. Süddeutsche Zeitung 42/1979.

5 Vgl. Blatt. Stadtzeitung für München 143 vom 6. April 1979, 37.

6 Vgl. Süddeutsche Zeitung 88/1979.

7 Vgl. Süddeutsche Zeitung 143/1979.

8 Vgl. infodienst münchen 19 vom 14. Mai 1990.

9 Vgl. Süddeutsche Zeitung 249/1979.