Flusslandschaft 1983

Umwelt

12. April: „Bei einem Pressegespräch stellt der Geografieprofessor Robert Geipel von der Tech-
nischen Universität eine ‚Wahrnehmungs- und Bewertungsstudie’ über die Umweltqualität im Münchner Norden vor. Dort wird die Vermutung geäußert, die städtischen und regionalen Planer hätten angesichts der massiven Umweltbelastung im Münchner Norden längst resigniert.“1 Am 11. Mai bekunden die in der sog. Nord-Allianz zusammengeschlossenen Gemeinden auf einer gemein-
samen Gemeinderats-Sondersitzung im Garchinger Bürgerhaus ihre Entschlossenheit, weitere Belastungen des Münchner Nordens und der Bewohner dieser Gebiete nicht länger hinzunehmen. Die Gemeinderäte verabschieden einstimmig eine Resolution, in der die Aufstellung eines Positiv-
plans für diesen Raum gefordert wird. Volle Unterstützung erhält Garching, das sich gegen eine in der Nordwestecke des Autobahnkreuzes geplante Mülldeponie wehrt.2

29. Juni: „Mit einem Sammeleinspruch wollen die Münchner Grünen den Allacher Forst und das Eschenrieder Moos vor der Zerstörung durch die A99 retten. Bis zum Ende der Einspruchsfrist am 14. Juli will man möglichst viele Bürger zur Teilnahme an dem von den Grünen verfassten Ein-
spruch gewinnen.“3

Eine Haidhauser Bürgerinitiative malt den weißen Grenzstreifen des Radfahrweges über dort parkende Automobile weiter.

Studenten protestierten am 28. Januar gegen das Waldsterben.4 – 22. August: „Im Englischen Garten sieht es zur Zeit an einigen Stellen gespenstisch aus. Rund hundert Laubbäume, von denen viele auf den ersten Blick noch gesund erscheinen, sind offenbar bereits vom Tod durch sauren Regen gezeichnet. Weiße Kreuze und gelbe Blätter mit der Aufschrift ‚Ich muss sterben’ kündigen im Park das große Baumsterben an. Für die augenfällige Warnung zeichnet die Aktionsgruppe ‚Phantasie gegen Gewalt’ der Grünen verantwortlich, die auf den Bund Naturschutz und auf das Forstbotanische Institut als Informanten verweisen. Während die Verwaltung des Englischen Gartens gegen die Kreuzmaler bereits Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet hat, können sich die Spaziergänger noch anhand von Zeichnungen an den totgeweihten Bäumen über die Krank-
heitssymptome informieren.“5

29. November: „’In Sorge um den Frieden und die anhaltende Zerstörung von Mutter Erde’ berei-
ste eine Delegation von zwölf Stammesvertretern amerikanischer Indianer die Bundesrepublik. Auf einer Pressekonferenz des Deutschen Naturschutzrings in München, ihrer letzten Station, schil-
dern die Abkömmlinge der Ureinwohner Nordamerikas ihre oft bitteren Erfahrungen mit radika-
len Eingriffen der sog. Zivilisation in die Natur – eine Entwicklung, von der mittlerweile nicht nur Indianer betroffen sind.“6

„Die Münchner Grünen rufen für den 18. Dezember zu einer ‚Volksabstimmung per Steckdose’ auf. Sie wünschen, dass ‚aus Protest gegen die Untätigkeit der Industrie und der Politiker angesichts des Waldsterbens’ für fünf Minuten von 5 vor 12 bis 12 Uhr mittags sämtliche elektrischen Geräte ausgeschaltet werden. Mit dieser Aktion soll der Forderung nach sofortiger Entschwefelung aller bestehenden Kohlekraftwerke Nachdruck verliehen werden.“7


1 Stadtchronik, Stadtarchiv München

2 Siehe auch 29. April 1982.

3 Stadtchronik, Stadtarchiv München

4 Vgl. Süddeutsche Zeitung 23/1983.

5 Stadtchronik, Stadtarchiv München

6 Stadtchronik, Stadtarchiv München

7 Stadtchronik, Stadtarchiv München

Überraschung

Jahr: 1983
Bereich: Umwelt

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