Flusslandschaft 1993

Umwelt

Am 14. Januar wird Autogeher Michael Hartmann angefahren, leicht verletzt, verarztet und in Untersuchungshaft genommen. Rechtsanwalt Jürgen Arnold schaltet sich ein.1 Hartmann kommt frei. Am 19. März schreibt die Radl Aktion Fuß Front einen Brief an den Oberbürgermeister.2 Für den 18. Juni wird ein neuer Aktionstag geplant und mit Flugblättern und Briefen an Stadtratsmitglieder vorbereitet; daraufhin lädt das Kreisverwaltungsreferat Hartmann zu einem Gespräch ein. Ergebnis: eine angemeldete Demonstration in der Weißenburger Straße in Haidhausen. Bei seinen Seminaren verteilt Hartmann eine Broschüre, die Motivation und Praxis seiner Aktionen näher erläutert.3

„Kein Patent auf Leben. Der 13. Februar ist der Tag des Einspruchs gegen das Patent auf die ‚Krebsmaus’, dem ersten europäischen Patent, das jemals auf Säugetiere erteilt wurde. Pflanzen, Tiere und Menschen dürfen nicht mit Luftpumpen, Glühbirnen und Kronkorken gleichgesetzt werden. Leben ist mehr als ein Rohstoff für die maßlosen Pläne der industriellen Gentechnologie. Wer die Patentierung von Leben fordert, will die Ab-Schöpfung der Natur! Wir machen unseren Einspruch öffentlich: Am Samstag, dem 13. Februar 1993 11.00 Uhr in München, am Marienplatz, 13.00 Uhr im Europäisches Patentamt. Wir bringen die trojanische Maus zurück zum Patentamt!“4 Das Europäische Parlament schließt sich den Einsprüchen an. – Im September wird ein Einspruch gegen ein Patent auf herbizidresistente Pflanzen der Firma Hoechst eingelegt.

Was bei BMW funktioniert (siehe „Stadtviertel“ 1991), müsste doch auch bei Siemens möglich sein. Die Stadt bietet der Firma für ihre Belegschaft verbilligte Jahresnetzkarten für den MVV an, wenn dreiviertel der Belegschaft vom Werk in der Hofmannstraße das Angebot nutzt. Siemens lehnt ab.5

Jahrelange Proteste können auch erfolgreich sein. 1993 führt München das Dreitonnensystem (Restmüll-, Papier- und Biotonne) bundesweit als erstes ein.

Das Stadtmuseum zeigt ab 19. November die von Sylvia Hamberger und Ossi Baumeister (Gesellschaft für ökologische Forschung) gestaltete Ausstellung „Kein schöner Wald …“. Zu sehen sind Fotos, die seit 1987 entstanden sind. „Das Ergebnis des Langzeitvergleiches von Waldflächen, Waldrändern, Baumgruppen und einzelnen Bäumen kann nun besichtigt werden. Es ist ein eindringliches Dokument gegen die Gewöhnung an kranke Bäume, kranke Natur und die verordnete ‚Ruhe im Wald’. Ein Muss für alle, die sich mit dem Alltag des Untergangs nicht einfach abfinden wollen.“6


1 Siehe „Az. 486 Js 121296/92“ von Jürgen Arnold.

2 Siehe „Sehr geehrter Herr Kronawitter!“.

3 Siehe das „Vorwort“ in der Broschüre von Michael Hartmann.

4 Schwabing extra. Zeitung der Schwabinger Friedensinitiative 2/1993, 6.

5 Siehe „Rotstift beim Umweltschutz“ von Hannelore Messow.

6 Schwabing extra. Zeitung der Schwabinger Friedensinitiative 11/1993, 8.