Flusslandschaft 1995
Flüchtlinge
Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, forderte 1994 die Aufnahme von Armutsflüchtlingen in Deutschland. Die Deutschen dürfen nicht nur fragen, wer im Lande ge-
braucht wird und für alle übrigen die Tür verschließen. „Wir haben in Deutschland keine Auslän-
derfeindlichkeit, sondern Fremdenfeindlichkeit.“ Für ihn sind „Neurechte“ wie Botho Strauß mit-
verantwortlich für eine „veränderte Stimmung“ im Lande. Was er und andere Autoren schrieben, übertrage sich „in veränderter Form bis zu den Brandstiftern“. Bubis wird von konservativer Seite heftig angegriffen. Dagegen kommt es in München zu einer „öffentlichen Parteinahme für Bubis – gegen das geistige Brandstiften“ am 22. Januar.1
In der ehemaligen deutschen Kolonie Togo herrscht vom 13. Januar 1967 bis Anfang Februar 2005 Präsident Gnassingbé Eyadéma. Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen zwingen viele Men-
schen ins Exil.2
»„Ich muß sagen, daß Sie sich was trauen!“ kommentierte Richter Gangolf Scholz das Ansinnen einer Münchnerin an das Amtsgericht. Sie betreibt in Untersendling ein Wohnheim für Bürger-
kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Ein acht Quadratmeter „großes“ Zimmer hat sie für eine Monatsmiete von 315 Mark plus 165 Mark Kosten für „Strom, Zähler, Heizung“ und anderes an einen Mann vermietet, dessen Ehefrau jetzt miteingezogen ist. Und für diese forderte sie nun 80 Mark extra Nebenkosten. Daß sie auch so schon 39 Mark Quadratmeter-Nettomiete verlangt, wie ihr der Richter vorrechnet, läßt sie unbeeindruckt: „Da san vorher ja scho sechs Leut’ auf Matratzen drin gewesen.“ Und bei jedem habe sie die Nebenkosten mit abrechnen können: „Jeder braucht an Strom und macht an Dreck.“ Doch der Richter macht kurzen Prozeß. „Bei Ihnen überleg’ ich mir, ob ich die Akten nicht der Staatsanwaltschaft übergebe.“ Ihr Anwalt (den, wie sie der SZ sagt, „die Caritas gestellt“ habe), klärt sie auf, was dies bedeutet: die Drohung mit einer Amtsklage wegen Mietwuchers. Daraufhin hat die Hausbesitzerin ihre eigene Klage ganz schnell zurückgezogen. ehh«3
Immer wieder töten sich Asylsuchende, bevor sie unter Zwang abgeschoben werden. Am 28. Juni findet eine Demonstration zum Bayerischen Innenministerium statt.4
Siehe auch „15. april“ und „23. September“.
(zuletzt geändert am 17.8.2025)
1 Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen.
2 Siehe „Ablehnungsbescheid“.
3 Süddeutsche Zeitung 118 vom 23. Mai 1995, 35.