Flusslandschaft 2000

Atomkraft

20. Januar: Pressearbeit und Aktion zum Spatenstichfestakt der Fakultät für Maschinenbau und Informatik: Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V. begrüßt die Ansiedlung der Fakultät für Informatik und Mathematik außerordentlich: „Die TU München sollte sich aber von ihrem forschungspolitisch rückwärtsgewandten neuen Atomprojekt verabschieden. Dieses neue Atomprojekt passt nicht mehr in die moderne Forschungslandschaft, zumal sich Neutronen für die Forschung innovativer und ungefährlicher als mit einem Atomreaktor erzeugen lassen. Vielmehr entwertet das neue Atomprojekt das ansonsten sich gut entwickelnde Forschungsgelände.“ Zu Beginn des Spatenstichfestaktes verdeutlichten Vertreter der Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V. dies mit dem Transparent „FORSCHUNG JA – ATOMREAKTOR NEIN!“.1

28. Januar: Die Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V. unterstützen den „Cochemer Appell – nicht länger Atomwaffen auf deutschem Boden“.

24. Februar: Bei der Siemens-Hauptaktionärsversammlung unterstreichen die Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V. mit Helmut-Kohl-Maske und Transparent ihre Protestaktion und äußern den Verdacht, dass der FRM II seine Existenz Schmiergeldern von Siemens verdankt (Merkwürdigkeiten um den ehemaligen Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Siemens-KWU, Hans-Jörg Klein).

Im März stellen die Mütter gegen Atomkraft (MgA) erfreut fest, dass sie bis zum jetzigen Zeitpunkt 850.000 DM Spenden gesammelt haben, um mit Medikamenten, medizinischen Geräten und weiteren sinnvollen Gaben die Leiden der Kinder von Tschernobyl zu lindern. Allerdings ist Mitte Juni auch klar, dass der Elan bei Anti-Atomkraft-Protesten geschwunden ist. Der angebliche Atomkompromiss zwischen der so genannten rot-grünen Bundesregierung und den Stromversorgungsunternehmen streue der Öffentlichkeit Sand in die Augen; viele Menschen denken, das Thema habe sich jetzt erledigt. Tatsächlich verdoppele sich die Atomstromproduktion, die Risiken blieben die selben und die der jetzigen folgende Bundesregierung könne die zur Zeit gültigen Absprachen des behutsamen Ausstiegs wieder rückgängig machen.2 Vor allem von den GRÜNEN sind viele AtomkraftgegnerInnen sehr enttäuscht.

27. Mai: Das politische Samstagsgebet – Redebeitrag von G. Gillig zum Thema „Das (un-)heimliche Ticken der Atomtechnologie am Beispiel des Atomforschungsreaktors FRM 2 in Garching bei München“ in der Kreuzkirche in München.

23. September: Grußwort der Bürger gegen Atomreaktor Garching e.V. an die Teilnehmer der Demonstration in Gorleben zum Atomausstieg.

Trotz massiver Proteste aus Bayern und Österreich wird am 9. Oktober dem nur hundert Kilometer von Passau entfernten, tschechischen Atomkraftwerk Temelin die Betriebsgenehmigung erteilt. Am Freitag, 13. Oktober, um 16 Uhr protestieren die MgA vor der Hauptgeschäftsstelle der Bayernwerke in der Nymphenburger Straße 39 dagegen, dass der bayrische Stromversorger billigen „Risikostrom“ aus dem maroden tschechischen AKW Dukovany und demnächst aus Temelin bezieht.


1 www.frm2.de.

2 Siehe „Stellungnahme der MÜTTER GEGEN ATOMKRAFT E.V.“.