Flusslandschaft 1954

Gedenken

Am 13. Mai spricht Erich Kästner in den Münchner Kammerspielen zur Erinnerung an den 20. Juli 1944.1

„Persönliche Einladung – Die ehemaligen Widerstandskämpfer im dritten Reich wollen im Geiste unvergesslicher, harter Schicksalsgemeinschaft und in Erinnerung der humanen Gründe und Werte ihres Widerstandes in diesem Jahr den TAG DER OPFER DES FASCHISMUS am Sonntag, den 12. September 1954, vorm. 10.30 Uhr im Merkur-Filmtheater in München, Ecke Gollier- und Liegsalzstraße (Haltestelle der Linien 10 u. 22) ohne parteipolitische Betrachtungen gedenkend begehen. Es ist Zeit – es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder unserer einmal bewiesenen, frucht-
baren Haltung und Gesinnung bewusst werden und den Weg zueinander suchen und finden! Der Anlass ist gegeben – der gute Wille liegt bei jedem einzelnen von uns – wir wollen und können nicht trägen Herzens sein! Die Feier soll in diesem Sinne einen würdigen, künstlerischen Rahmen erhalten. Nach der Gedenkfeier finden Kranzniederlegungen auf dem Leitenberg in Dachau, am Mahnmal im Perlacher Friedhof und den Heldengräbern unserer Widerstandskämpfer statt. Kameraden – wo ist heute Euer Platz! Staatssekretär a. D. Dr. Andreas Grieser, Oberreg.-Rat Cronauer, Landrat a.D. Friedrich Haugg, Frau Fanny Horner (Hinterbliebene) Unkostenbeitrag DM 1.-“2 Auf der Rückseite dieser Karte ist mit Bleistift Folgendes stichpunktartig vermerkt: „Prof. Clara Huber, Kurt Huber, Eltern Scholl, Dz. Schmorell, Cronauer, Mauthausen, Erklärung Inter-
nationale Solidarität, Besiegte – siegberauschte Soldateska, Besitzgeier.“ Die Karte befand sich in einem Konvolut, das aus dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz stammt.


1 Siehe „Von deutscher Vergesslichkeit“ von Erich Kästner.

2 Einladungskarte, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung