Materialien 1969

Hilferuf der sozialistischen Jugend Griechenlands „Sotiris Petroulas“

Der griechische Konsul in München ist von versteckten Drohungen nun zum offenen Terror übergegangen. Kürzlich hat er einem Anhänger unserer Jugendbewegung zynisch mitgeteilt, dass seine Zurückstellung vom Wehrdienst ab sofort rückgängig gemacht wurde, weil er „antinationale“ Flugblätter als Verantwortlicher unterzeichnet hatte.

Auch für die blutigen Zusammenstöße am 6. April 1969 hier in München ist der griechische Konsul verantwortlich. Er sah ruhig zu. Wie in einer regierungsfrommen Theaterveranstaltung Frauen zusammengetrampelt, blutig geschlagen und – trotzdem sie eine Einladung besaßen – brutal aus dem Saal getrieben wurden. Das genügte ihm nicht! Er ließ auch noch mit Hilfe der Polizei die Personalien der Misshandelten wegen angeblicher Beleidigung feststellen. Am Ende dieser Veranstaltung schlugen bewaffnete Regimeanhänger auf Zuschauer ein und verletzten mehrere Personen durch Messerstiche und Schläge mit Eisenstangen erheblich. Auch dagegen unternahm der Konsul nichts! Die griechischen Demokraten mussten zur Selbsthilfe greifen und die Terroristen vertreiben. Wir erheben schärfsten Protest dagegen, dass Münchner Behörden eine von faschistischen Organisationen unterstützte Theaterveranstaltung genehmigten, obwohl sie wussten, dass dies für jeden Demokraten eine Provokation ist. So wurde eine vom gleichen Ensemble gespielte Aufführung in Krefeld am 27. März 1969 von hundertfünfzig griechischen Arbeitern verhindert. Wir protestieren auch dagegen, daß die Münchner Polizei nicht den angegriffenen Demonstranten zu Hilfe eilten, sondern tatenlos zusahen, wie diese zusammengeschlagen wurden. Hilfesuchende wurden zurückgewiesen, denn es sei Polizisten egal, wenn Griechen gegen Griechen kämpfen. Obwohl die Süddeutsche Zeitung und Abendzeitung benachrichtigt wurden und eine Presseerklärung bekamen, wurde ein Mantel des Schweigens darüber gebreitet. Um der Unterdrückung des griechischen Generalkonsuls wirksamer zu begegnen, solidarisierten sich zum ersten Male sämtliche griechischen Organisationen, von der liberalen Zentrumsunion bis zur Linken. Am 6. April 1969 gaben sie eine gemeinsame Erklärung ab, dass sie entschlossen sind, gegen Verfolgungen im Ausland zu kämpfen. Die Münchner griechische private Oberschule „König Otto“, die vom bayerischen Staat finanziell unterstützt wird, benützt die Schulbücher aus dem faschistischen Griechenland. Die Lehrer verteilen faschistisches Propagandamaterial der Nazi-Organisation EKE, deren Chef der Rektor der Schule ist. Die Schüler werden unter verschiedenen Vorwänden gezwungen, an den Veranstaltungen dieser Naziorganisation teilzunehmen. Zuletzt hat der Lehrer Triantafilopoulos die offene Gewalt gewählt und droht offiziell in der Klasse, den demokratischen Jugendlichen und den Freunden der Jugend „Petroulas“ mit dem griechischen KZ. Sogar vor der Sippenhaft schreckt er nicht zurück.

Es ist unerträglich, dass in einer Schule, die durch bayerische Steuergelder finanziert wird, die Zeitung der griechischen faschistischen Militärzeitung „Stratiotika Nea“ verteilt wird. Wir verlangen die Einstellung des faschistischen Unterrichts und des Terrors an der griechischen Oberschule. Wann nimmt endlich das bayerische Kultusministerium dazu Stellung?

Wir bitten alle fortschrittlichen Organisationen – insbesondere die Gewerkschaften und die Schülerorganisationen – sich für die Demokratisierung der Münchner griechischen Oberschule einzusetzen.

Ebenso ist die griechische Arbeiterkommission, die offiziell im deutschen Arbeitsamt ihren Sitz hat, eine hilfreiche Dienerin der griechischen Militärdiktatur. Sie verteilt an Arbeitssuchende „Grußtelegramme“ von Pattakos und das faschistische „Arbeitermonatsheft“ Arbeiter-Revue. (Außerdem die Militär-Nachrichten Zeitung). So sollen hilfesuchende griechische Demokraten eingeschüchtert und unterdrückt werden.

Unterstützt die griechischen Arbeiter. Werft die Kommission aus dem Arbeitsamt. Gewerkschaften genügen, was brauchen wir eine faschistische „Arbeiter-Kommission“. Unterstützt den Kampf der Jugend Petroulas gegen den Terror in Griechenland und gegen die Umtriebe der griechischen Faschisten in München.

SJ Sotiris Petroulas


apo press. Informationsdienst für die Außerparlamentarische Opposition 19/II vom 28. Mai 1969, 15.

Überraschung

Jahr: 1969
Bereich: Internationales

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