Flusslandschaft 1957

Nazis

„Juli: Die Landesleitung Bayern der VVN nimmt die Tat eines zwanzigjährigen Studenten, der die Ruhestätte des von den Nazis ermordeten Paters Rupert Mayer verwüstet hat, zum Anlass, um beim bayerischen Innenminister August Geislhöringer in München gegen die zunehmenden Grabschändungen zu protestieren und eine rückhaltlose Aufklärung des Falles zu fordern: ‚Die wiederholten Schändungen von Grabstätten rassisch, religiös und politisch verfolgter Märtyrer machen es uns schwer, an die Tat eines Geistesgestörten zu glauben, vielmehr zwingt uns die Häufigkeit dieser Schändungen in der letzten Zeit an bewusst und systematisch durchgeführte Aktionen mit dem Ziel, die Märtyrer des Widerstandes gegen das unmenschliche Nazisystem selbst im Tode noch zu entehren, zu denken. Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Staatsminister, die Polizeibehörden anzuweisen, sowohl das Ergebnis der polizeilichen wie auch der medizinischen Untersuchungen rückhaltlos bekannt zugeben.’ – Die seit Jahren von staatlicher Seite immer wieder vorgebrachte Behauptung, es handle sich bei den Grabschändungen jüdischer und anderer NS-Opfer um die bedauerlichen Taten spielender Kinder und angetrunkener oder geistesgestörter Erwachsener, wird von der VVN, den jüdischen Gemeinden und einer Reihe anderer Organisationen mit dem Hinweis kritisiert, dass damit die Möglichkeit, wenn nicht gar Wahrscheinlichkeit, es hier mit politisch motivierten Untaten, vielleicht sogar mit organisierten neonazistischen Anschlägen zu tun zu haben, heruntergespielt und indirekt gedeckt wird.“1

„Im Jahre 1958 hatte sich vor einem Münchener Amtsgericht ein 57jähriger Textildrucker zu verantworten, weil er am 10. Oktober 1957 den Nazi-Marschall Schörner mit der Faust geschlagen, dabei seine Brille zertrümmert und Schörner eine heftig blutende Augenlidverletzung zugefügt hatte: Das Gericht erkannte seinerzeit keine „unedlen Motive“ des Täters und hielt deshalb eine Geldstrafe von 100,- Mark für angemessen.“2


1 Wolfgang Kraushaar, Die Protest-Chronik 1949 – 1959. Eine illustrierte Geschichte von Bewegung, Widerstand und Utopie. 4 Bde., Hamburg 1996, 1666.

2 Beate Klarsfeld, Die Geschichte des PG 2 633 930 Kiesinger. Dokumentation mit einem Vorwort von Heinrich Böll, Darmstadt 1969, 75 f.

Überraschung

Jahr: 1957
Bereich: Nazis