Flusslandschaft 1946

Gewerkschaften/Arbeitswelt

Gewerkschaften vor 1933 waren Männerbastionen. Sie sind es nach 1945 genauso. Inge Hügenell (später Stadträtin und Verwaltungsangestellte bei der IG Metall) erinnert sich.1

17. März 1946 – Sonntag: „Die in der Arbeitsgemeinschaft der Freien Münchner Gewerkschaften vereinigten Betriebsobleute veranstalten in der Aula der Universität eine Kundgebung als Auftakt des gewerkschaftlichen Lebens in Bayern. Der alte Gewerkschaftsführer Gustav Schiefer prangert das monopolkapitalistische System an, fordert die 40-Stunden-Woche an fünf Arbeitstagen und die Einführung einer Planwirtschaft als Betriebswirtschaft in demokratischem und sozialistischem Sinne. Schiefer fordert außerdem die Rückgabe des Vaterlandes als Einheit. In einer Resolution werden alle Arbeitnehmer zum Beitritt in die Gewerkschaften aufgefordert.“2

Die Arbeitsgemeinschaft Freier Münchner Gewerkschaften feiert den Ersten Mai 1946 auf der Wiesn. Es spricht Gustav Schiefer vor etwa sechzigtausend Menschen. Er fordert ein entscheiden-
des Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften in der Wirtschaft, Wiederherstellung des freien Koalitionsrechts, Wiederherstellung des Rechts der Betriebsräte, eine grundlegende Reform der Sozialversicherung, Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung, Einhaltung des achtstündigen Ar-
beitstages und die Einführung der 40-Stunden-Woche.3


1 Siehe „Im Januar 1946 …“ von Inge Hügenell.

2 Chronik der Stadt München 1945 – 1948, bearbeitet von Wolfram Selig unter Mitwirkung von Ludwig Morenz und Helmuth Stahleder, München 1980, 149.

3 Siehe Fotos vom „ersten mai“. Weitere Fotos: Zuschauer bei der Maikundgebung der Gewerkschaften auf der There-
sienwiese am 1. Mai 1946, Standort: Haus der Bayerischen Geschichte, Signatur: bp-0338.3.5 und bp-0338.2.3.