Flusslandschaft 1967

Lebenshaltungskosten

Am 22. Februar findet ein Protestumzug der DGB-Jugend mit Studenten der Technischen Hochschule gegen Preiserhöhungen bei der Straßenbahn statt.1

Nachdenkliche Menschen, die knapp bei Kasse sind, kommen manchmal auf Gedanken, die grundsätzliche oder sogar radikale Veränderungen empfehlen. Im Kapitalismus werden Waren erzeugt, die kein Mensch benötigt, die sogar destruktiv wirken, aber angeblich Arbeitsplätze sichern. Der Kapitalismus erfordert nur dort Innovation, Investition und Modernisierung, wo diese der Kapitalverwertung nutzen. Modernisierung, die Verschleiß verhindert oder gar den Markt ersetzt, findet nicht statt. Am Beispiel des Tarifsystems im öffentlichen Nahverkehr vermutet SDS-Mitglied Reinhard Wetter, dass die gesellschaftlichen Kosten die Einnahmen bei weitem übersteigen.2

3
SDS-Mitglieder verteilen am 17. Oktober in Straßenbahnen Flugblätter. Die Polizei ermittelt wegen „Beförderungserschleichung“.4


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung 45/1967.

2 1980 wird ähnlich argumentiert. Siehe „Lebenshaltungskosten“ 1980.

3 Flugblattsammlung, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

4 Siehe „Politische Prozesse“.

Diesen Artikel zitieren

Lebenshaltungskosten. In: Protest in München seit 1945. Stand: 3. Februar 2020. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/347 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).