Flusslandschaft 1970

Jugend

Jugendliche beginnen, sich gegen autoritäre Erziehungsmethoden wie hier gegen die eines katholischen Priesters zu wehren.1

Seit 1964 findet das größte Festival des Kinder- und Jugendfernsehens in München statt. Alle zwei Jahre wird hier der „Prix Jeunesse Internationale“ verliehen. Für den Wettbewerb 1970 wird ein mit Jugendlichen bestücktes „Jugendforum“ eingerichtet, das allerdings nicht mitberaten will, sondern die direkte Mitarbeit in den Medien fordert.2

In vielen Städten beginnen junge Theatermacher speziell für Jugendliche zu spielen. In München gründet sich 1970 um Wolfgang Anraths zunächst als Straßentheater das theater k (theater k[ol-
lektiv]). Im Juli 1971 produziert das Ensemble die „Bottroper Protokolle“ von Erika Runge; im September 1971 entsteht während des Metallarbeiterstreiks „Der Boss sind Wir“. 1972 folgt Uwe Timms „Die Steppensau oder Lehrjahre sind keine Herrenjahre“.3 Ab Herbst 1973 steht dem En-
semble ein eigener Raum in der Kurfürstenstraße 8 in der Maxvorstadt zur Verfügung. Man will aber auch weiter auf der Straße und in Versammlungen auftreten. „Das theater k spielt engagiertes, kritisches, emanzipatorisches Theater dort, wo sich Jugendliche aufhalten. In Freizeitheimen, Ge-
werkschaftshäusern, Bürger- und Jugendzentren, sogar im Gefängnis. Das theater k(ollektiv) hat engen Kontakt zu seinem Publikum und entwickelt daraus einen eigenen Stil mit viel Action und Akrobatik. Die Sehgewohnheiten der Jugendlichen werden aufgenommen, Identifikationsfiguren geschaffen, in deren Konfrontation sich dann die gesellschaftlichen Widersprüche spiegeln. Wolf-
gang Anraths starb 1990.“4

(zuletzt geändert am 28.12.2025)


1 Siehe „Wer ist Meulemann?“ von Heinz Rabbow.

2 Siehe „Wie man die Jeunesse um den Prix brachte“ von Ulrich Chaussy und Franz M. Sonner; vgl. Der Preispokal der Christsozialen. Der „Prix Jeunesse“ – ein Kinder und Jugendfestival ohne Kinder und Jugend von Jakob Maass, in: ten-
denzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 90 vom August/September 1973, 19 ff.

3 Vgl. Wolfgang Anraths, Dramaturgische Aspekte antimonopolistischer Theaterarbeit. I. Das Rollenspiel, in: tendenzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 85 vom Oktober/November 1972, 48 f. und Wolfgang Anraths, Dramaturgische Aspekte antimonopolistischer Theaterarbeit. Bildnerische Konzeptionen III, in: tendenzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 88 vom April/Mai 1973, 38 f.

4 Schwabing extra. Zeitung der Schwabinger Friedensinitiative 5/1993, 8.