Flusslandschaft 2012

Gedenken

Etwa 30.000 Menschen demonstrierten in Essen am 11. Mai 1952 gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Bei dieser Demonstration erschoss die Polizei den Münchner Philipp Müller. Zu seinem 60ten Todestag versammeln sich etwa sechzig Menschen an seinem Grab in Aubing. Martin Löwenberg, Sigi Benker und Walter Listl sprechen zu seiner Erinnerung.

Am 6. August findet von 17 – 21 Uhr auf dem Stachus eine Mahnwache unter dem Motto „6. August – Jahrestag des Abwurfs der ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki“ statt.

Für den 29. September, Jahrestag des „Münchner Abkommens“, planen die Stiftung Für die unliterarische Verwendung der Literatur und das Aktionsbüro Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER eine Veranstaltung im ehemaligen Führerbau – heute Hochschule für Musik und Theater – an der Arcisstraße 12 in der Maxvorstadt unter dem Motto „Am Anfang war der Rhein …“. Dafür wurde mit der Hochschulverwaltung ein Vertrag abgeschlossen, den der Kanzler der Hochschule wieder annullieren will. Vor dem Münchner Amtgericht setzen die Veranstalter die Öffnung der Hochschule durch. Um 17 Uhr geht es los: Zunächst informiert eine junge Frau im mit Hakenkreuzfahnen „geschmückten“ Saal über die Geschichte des Hauses. Während ihrer Rede marschieren vier Gestalten über die Bühne, ein Soldat, ein Bundespolizist, ein Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) und Hitler, eine Warnung vor dem Einsatz der Bundeswehr und ihrer Helfer im Inneren. Dann berichtet Thomas Schmitz-Bender über die vergangenen Querelen um den Veranstaltungsort. Im Anschluss ist der Film „Klassenkampf statt Weltkrieg“ zu sehen. Dann spricht eine junge Frau über die aktuelle Wirtschaftskrise, da laufen sieben gelb-rot gekleidete Zwerge, die einen verhüllten Sarg tragen, über die Bühne. Der Oberzwerg dürfte Wilhelm II. sein, beim zweiten Auftritt der Gruppe gibt er den Adolf H., beim dritten ist es eine bekannte Frau, die den Sarg enthüllt. Darin liegt ein Krokodil, das die Zwerge mit dem Deutschlandlied feiern. Aus dem Zuschauerraum ertönt als Antwort das „Solidaritätslied“, in das weitere Anwesende einstimmen. Schließlich stürmen ZuschauerInnen die Bühne, vertreiben die Zwerge und kippen das Krokodil über den Bühnenrand. Zum Schluss entern alle Mitwirkenden noch einmal die Bühne, während ein Trompeter die „Internationale“ spielt.1

Am 16. Oktober feiert um 19.30 Uhr das Archiv der Münchner Arbeiterbewegung sein 25jähriges Bestehen im Saal des Münchner Stadtmuseums am St.-Jakobsplatz 1 mit einem Festakt und der anschließenden Eröffnung einer Kabinettausstellung, die einige ausgewählte Beispiele aus den Sammlungen des Archivs präsentiert. Fünf Reden sind geplant. Zunächst singt im vollen Saal des Stadtmuseums der Gewerkschaftschor „Brüder zur Sonne …“, und da hat jede und jeder einen anderen Ton drauf, dass d’ meinst, es ist eine zeitgenössische atonale Vertonung, sozusagen Musica viva avantgardia. Das ist schon erstaunlich. Und dann singen sie nach vier Reden noch ein Lied, das darauf hinweist, dass Deutschland nicht den Griechen hilft, sondern ganz egoistisch die Hegemonie in Europa anstrebt. Worauf ein Zuhörer seinen Nachbarn, einen SPD-Stadtrat, anstößt und ihm ziemlich laut rübersagt „Fünfte Kolonne“, worauf der Stadtrat wiederum heftig nickt. Nach Beendigung des Liedes applaudiert das Auditorium höflich.


1 Siehe „Das Verfassungsgericht erklärt den Krieg … nach innen“, www.himmlischevier.de und www.woschod.de/20/2012/09/30/klassenkampf-statt-weltkrieg-veranstaltungsbericht/

Überraschung

Jahr: 2012
Bereich: Gedenken