Flusslandschaft 2020

Kunst/Kultur

Am 31. Januar und 1. Februar veranstalten Kulturreferat und NS-Dokumentationszentrum ein Symposium zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum“. Münchner Aktivisten, die sich seit Jahr-
zehnten im öffentlichen Raum gegen viele Widerstände engagieren, sind nicht eingeladen. Man weiß ja, sie sind widerborstig, anstrengend, impertinent. Darob sind manche Künstler*innen enttäuscht und vermuten, das Symposium diene nur als Schaufensterinszenierung einer mit an-
deren Städten konkurrierenden „Kulturhauptstadt“. Ein offenes Kollektiv, das gegen institutio-
nellen Rassismus im Kulturbetrieb eintritt, erweitert diese Kritik und schreibt einen offenen Brief.1

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Viktualienmarkt am 7. Mai

Auf der Kapuzinerstraße im Glockenbachviertel demonstrieren am 11. Mai die Urbanauten unter dem Motto „Kulturlieferdienst“ für Musik und Tanz im öffentlichen Raum. Distanzen sind vorge-
schrieben; je ein Mensch darf in einem der aufs Pflaster gemalten Kreidekreise stehen oder herum hüpfen. Dazu spielt die Rockband von Dr. Will, Trommler trommeln und eine bunte Stelzenläufe-
rin zieht die Blicke auf sich.

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Sprache ist lebendig. Neue Worte entstehen, andere verschwinden im Lauf der Zeit. Da kannst du nichts machen, das ist nun mal so. Gerade auch im Dialekt. Eines aber bleibt oder versucht es zu-
mindest: Der Sound, die Sprachmelodie, die weniger Regeln folgt als vielmehr Gefühlen. Jetzt ha-
ben die Teutonen für alles eine Institution, eine Behörde, ein Gremium, einen Verein, der Ordnung schafft in diesem unübersichtlichen Chaos ungeregelter Befindlichkeiten. Die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. ist zuständig. Auch für unseren Dialekt.4

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Entweder bayrisch oder hochdeutsch! Aber beides? Gesehen in der U4 vom Stachus Richtung Theresienwiese.

Am 24. Oktober demonstrieren etwa 800 Künstlerinnen und Künstler um 12 Uhr unter dem Motto „Aufstehn für Kultur“ auf dem Königsplatz.6

BILDENDE KUNST

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Guido Zingerl hat 2019 und 2020 mit 16 Acrylgemälden, elf Zeichnungen und 13 Karikaturen seinen Zyklus „Das Narrenschiff“ fertiggestellt.

BÜHNEN

Aus Protest gegen die erneute Schließung aller Theater werden mehrere Kulturhäuser wie die Bayerische Staatsoper, das Gärtnerplatz-Theater, der Gasteig, das Prinzregententheater, das Deutsche Theater und das Residenztheater in den kommenden Wochen rot beleuchtet. „Dieses Statement soll unter dem Motto #alarmstuferot das Augenmerk auf die besondere Situation der Kulturschaffenden richten“, teilen die Bühnen am Dienstag, 3. November, mit. Die rote Beleuch-
tung wird in diesen Häusern voraussichtlich bis Ende November jeden Abend um 16.30 Uhr an- und um 22 Uhr ausgeknipst.

MUSEEN

Ab 1. November sind die Münchner Museen geschlossen. Für einige ist diese Maßnahme existenz-
bedrohend. Virologen weisen darauf hin, dass die Ansteckungsgefahr in Museen gegen Null ten-
diert. Gleichzeitig sind Straßenbahnen und U-Bahnen überfüllt.


1 Siehe https://dearall2020.blogspot.com/2020/01/offener-brief-das-munchner.html.

2 Foto © Volker Derlath

3 Erfindung: Peter Brüning

4 Siehe „Zum Glück war Ludwich nicht mit Hedwich verheiratet, sondern mit Therese“ von Rudolf Hartbrunner.

5 Foto: Richy Meyer

6 Siehe https://aufstehenfuerkultur.de/, https://www.weil-wir-es-wert-sind.org/weilwireswertsind.html und Text und Bilder der Kundgebung „Aufstehen für Kultur“ von Henriette Blümke.

7 Zu sehen ist Zingerls Zyklus unter https://verdi-kultur.de/averdiKulturforumZingerl/42DieHoelleistleer.jpg.

Überraschung

Jahr: 2020
Bereich: Kunst/Kultur