Flusslandschaft 1978

Zensur

Die Initiative Bayerischer Strafverteidiger lädt für den 30. März zum Thema „Zensur“ in den Schwabinger Bräu, Leopoldstraße 82. Angekündigt sind die Rechtsanwälte Jürgen Arnold und Jerzy Montag sowie Erich Fried, Heinar Kippart und Hella Schlumberger.

Die Künstlergemeinschaft „Erich Mühsam“ trifft sich regelmäßig in der Gabelsberger Brauerei in der Gabelsbergerstraße 50 in der Maxvorstadt. Neben der Ausstellung „Entwicklungen“, die sich mit der Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Zensur beschäftigt, entsteht hier ein eigenes Kabarettprogramm. Die Ausstellung soll vom 4. April bis 13. April im Sozialzentrum Neuperlach, Am Plivierpark, vom 16. April bis 27. April im Stadtteilzentrum Milbertshofen (MILB) in der Nietzschestraße 7b und vom 30. April bis 1. Mai im Fraunhofer in der Fraunhoferstraße 9 zu sehen sein. Die „Lampenputzer“ treten vom 20. April bis Mitte Mai im „Hoftheaterl“ der Gabelsberger Brauerei auf. Das Sozialzentrum ist eine Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt. Der Leiter des Zen-
trums lässt am ersten Tag nach der Vernissage die Ausstellung wieder abbauen — er hat kalte Füße bekommen.

Die Humanistische Union lädt für den 23. Juni zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Zensur und Selbstzensur“ ein.1

„Grundrechte der Kunstfreiheit in Gefahr? – Der Freiheit eine Gasse. Dokumentation zur Zensur im Theater. Hrsg. Initiative für die Freiheit der Theaterarbeit (IFTA), Umfang 152 Seiten, brosch., Preis 7.- DM; zu beziehen über Petra-Maria Einsporn, Lilienstraße 18, 8000 München 8O. – Die IFTA, die sich im Frühjahr 1978 der Öffentlichkeit vorstellte, ist ein bundesweiter lockerer Zusam-
menschluss von Theaterleuten in der Bundesrepublik; erklärte Aufgabe dieser Vereinigung ist die Bekämpfung politischer Repression am Theater, wie sie vor allem in den letzten zwei Jahren ver-
stärkt beobachtet werden kann. Das vorliegende Buch – von einer Arbeitsgruppe der IFTA verfasst – soll einen Beitrag zur Information der Öffentlichkeit über diese anfangs versteckten, mehr und mehr aber offenen und direkten Angriffe auf die grundgesetzlich garantierte Kunstfreiheit leisten; es werden annähernd 45 solcher Fälle der letzten Zeit dokumentiert, davon über die Hälfte im Be-
reich des staatlich/städtisch subventionieren Theaters. Überdies verdeutlichen konkrete Beispiele, wie Kunstschaffende heute, entgegen der vielzitierten ‚Eitelkeiten’, gemeinsamen Widerstand und Solidarität entwickeln.“2

Siehe auch „SchülerInnen“.


1 Siehe „Die Schere im Kopf“ von Petra-Maria Einsporn.

2 Mitteilungen der Humanistischen Union 85 vom Dezember 1978, 48.