Flusslandschaft 1982

Lebensart

Straßenmusikanten protestieren am 1. Juni gegen Einschränkungen ihrer Auftrittsmöglichkeiten in der Fußgängerzone.1 — Am 2. Juli demonstrieren sie vor dem Jagdmuseum gegen die Fußgängerzonen-Satzung. Auf Transparenten steht „Freiheit für Straßenmusik“ und „Stoppt Gauweiler“.2 — Am 14. Oktober kommt es auf dem Marienplatz zu Protesten gegen die Einschränkungen der Straßenmusik.3 Eine „Initiative für freies Musizieren in der Fußgängerzone“ sammelt Unterschriften.4

Prüde Mitbürgerinnen und Mitbürger sind entsetzt: München erlässt eine „Nacktbadeverordnung“ für sechs offizielle FKK-Gebiete, darunter die Schönfeldwiese im Englischen Garten. Die Nackten im Englischen Garten werden zu einer Touristenattraktion.

Vieles, was nach 1945 aus den USA zu uns herüberschwappte, war erfrischend neu und wurde begeistert adaptiert. Erkenntnisse über den US-Imperialismus trübten in den folgenden Jahren die Empfindungen. Mit einer neuen Kapitalismuskritik rückte nach 1968 auch das Mutterland des Kapitalismus in den Focus. Von dieser Kritik kann der Weg auch zu einer Position der kulturellen Überfremdung Deutschlands durch den us-amerikanischen Kulturimperialismus führen. Rüdiger hat diese Konnotation vermieden.5


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung 124/1982.

2 Vgl. Abendzeitung 149 vom 3./4.Juli 1982, 21; siehe „Meister Gauweiler putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann“.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung 238/1982.

4 Siehe „Von wegen ‚Kulturwüste’ …“ von Evelyn Wirth.

5 Siehe Rüdigers „Little Big Mac ist tot“.