Flusslandschaft 1983

Frauen

Nach der „Wende“ beginnen unter der Regierung Kohl neue Aktionen gegen die Mini-Reform
des § 218, die sich vor allem gegen die Finanzierung der sozial indizierten Abbrüche durch die Krankenkassen richten.

Unter dem Eindruck des geplanten Nato-Doppelbeschlusses schließen sich im Oktober Frauen
in der partei- und konfessionsunabhängigen Initiative Truderinger Frauen für Frieden und Abrüstung zusammen.

Acht Mitglieder des Förderkreises „Der Feminist“ besetzen am 11. November den Dom und ent-
rollen Spruchbänder mit pazifistischen Parolen. — Am 20. Dezember 1984 hebt ein Gericht die Kostenrechnungen für die sieben Frauen und ihren männlichen Sympathisanten auf.1 — Erst am 14. Februar 1986 wird entschieden, dass die Besetzer den Abtransport durch Polizisten nicht bezahlen müssen.2

Einrichtungen der Frauenbewegung sind: Das Frauenzentrum, Gabelsbergerstraße 66, 8000 München 2, Tel. 52 22 22, das Frauentherapiezentrum in der Auenstraße 31, 8000 München 5, Tel. 725 25 50, Frauenstudien München e.V., Ickstattstraße 9, 8000 München5, Tel. 201 22 34, Frauenforum e.V., Adlzreiterstraße 27, 8000 München 2, Tel 76 88 90 und der Verlag Frauen-
offensive
, Kellerstraße 39, 8000 München 80, Tel. 48 51 02.

Am 26. November bezieht das als autonomes Selbsthilfeprojekt 1982 gegründete Kommunika-
tionszentrum für Frauen zur Arbeits- und Lebenssituation
(KOFRA e.V.) eigene Räume in der Baldestraße. 1993 ziehen die Frauen in die Baaderstraße 30 um, wo sie noch heute sind.

Männer sind sauer: Überall waren sie die ersten, bei der Eroberung Amerikas, bei der Erfindung der Glühbirne, beim ersten Schritt auf dem Mond. Überall dürfen sie hin, nur nicht in Lillemor’s Frauenbuchladen in der Arcisstraße 57. Das tut wirklich weh!


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung 295/1984.

2 Vgl. Abendzeitung 38/1986.