Flusslandschaft 1983

Gedenken

Seit Anfang des Jahres veranstaltet das DGB-Bildungswerk die alternative Stadtrundfahrt „Das andere München“ an jedem ersten Samstag im Monat. Geschichte wird hier endlich nicht mehr
aus dem Blickwinkel der Herrschenden abgefeiert.

Am 29. Januar demonstrieren bundesweit über 100.000 Menschen anlässlich des 50. Jahrestags der Machtübergabe an die Nationalsozialisten. In München sind es etwa 15.000. Die Demonstra-
tion richtet sich dabei auch gegen Kriegstreiberei und neue Atomraketen. Soldaten in Uniform tragen ein Transparent mit der Aufschrift „Rudel-Ehrung ein Skandal – Nazis raus aus der Bundeswehr“. Sie riskieren damit disziplinarische Maßnahmen. Zwei Soldaten werden festge-
nommen.1 – Auf der Veranstaltung des DGB Bayern am 30. Januar redet in der Bayernhalle Loni Mahlein, der Vorsitzende der IG Druck und Papier, vor 3.000 Zuhörern und zitiert das Ahlener Programm der CDU: „Die kapitalistische Wirtschaftsordnung ist den Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden.“ Und er fährt fort: „Richtig! Deshalb kämpfen wir
auch unverändert für eine andere, soziale, menschengerechte Wirtschaftsordnung. Wer statt dessen die Ursachen der Arbeitslosigkeit vernebelt, wer weiterhin auf die Förderung der Unterneh-
mergewinne setzt – und zwar auf Kosten unserer Einkommen, unserer Arbeitsplätze und Berufe –, der macht sich nicht nur mitschuldig am wachsenden Elend der Arbeitslosen. Der wundert sich auch nicht, wenn eines Tages der Ruf nach dem starken Mann wieder laut wird …“2

„Hiroshima-Marsch“ für München als atomwaffenfreie Zone.3

Das Jahr über begleiten Adi Maislinger, Ludwig Stark und manchmal auch Sepp Aumüller Besuchergruppen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau.4


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung 26/1983.

2 Zit. in: wir. Informationen für Münchner Gewerkschafter DGB Kreis München 2/1983, 4.

3 Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen.

4 Siehe „Mit 80 noch Tag für Tag in Dachau“.

Überraschung

Jahr: 1983
Bereich: Gedenken