Flusslandschaft 1983

Kunst/Kultur

Siehe auch „Zensur“.

BILDENDE KÜNSTE

Vom 15. April bis zum 15. Mai zeigt der Berufsverband Bildender Künstler München und Oberbayern in der Galerie der Künstler die Ausstellung „Friedenszeichen – Kriegsmale“. Eine zweite Ausstellung unter dem selben Motto ist in der Kleinen Schlossgalerie in der Hirschgartenallee 43 zu sehen. Die dritte Ausstellung im Pavillon im Alten Botanischen Garten heißt schlicht „Frieden“.1

Es geht um die Umwelt: Der Schutzverband Bildender Künstler zeigt im Pavillon im Alten Botanischen Garten die Ausstellung „Das verlorene Paradies“.2

HALLENKULTUR

Das Tanztheater Neger verleiht einem noch namenlosen Veranstaltungsort in einer ehemaligen Münchner Bundeswehrkaserne in der Dachauerstraße 128, wo heute das Goetheinstitut steht, einen legendären Namen: die Negerhalle (1983 – 1989). Sie ist eine der ersten großen Werkhallen in Deutschland, welche für Kunst, Theater und große Partys genutzt wird. Bonger Voges erhält dafür den Titel „Begründer der deutschen Hallenkultur“. Neben der Alabamahalle und anderen Initiativen in Europa ist Voges sicher einer der Mitbegründer dieser sich in den folgenden Jahren etablierenden Trends: heraus aus dem konventionellen Kulturbetrieb zu gehen und meist leerstehende Industriehallen als theatralen Raum zu nutzen. Gleiches gilt für die Partykultur der 90 Jahre.

THEATER

Am 21. November diskutieren Autorinnen und Autoren, Regisseure und SchauspielerInnen über die desolate Lage der Münchner Kleintheater. Es sind dies „Therese Angeloff, Autorin, Rola Sachsberger, Amateurkabarett ‘Münchner Sati(e)rschutzverein’, Gerhard Polt, Autor und Schauspieler, Hartmut Baum, Regisseur, Gabriele Dossi, Schauspielerin, Sarah Camp, VS-Vertreterin, Boris Heczko, Theaterwissenschaftler, Sepp Bierbichler, Schauspieler, Wolfgang Anraths, Regisseur und Schauspieler. Kaum eine andere Stadt bietet eine so große Zahl von kleinen Theatern wie München. Neben hauptberuflich spielenden/hungernden Mimen bieten Amateurgruppen ihre Kunst dar. Weder Keller noch Wirtshaussäle sind vor ihnen sicher. Gesichert ist auch nicht die soziale Sicherheit der Theaterleute. Autoren, Regisseure und Schauspieler bangen oft um jede Vorstellung. Wenn man damit vergleicht, wie bei den Münchner Kiesl-Wurm-Filmfestspielen oder der kultusbayerischen Wittelsbacher-Ausstellung – vom Kostenskandal beim Deutschen Theater oder Kulturpalast Am Gasteig ganz zu schweigen – das Steuergeld zum Fenster hinausgeschmissen wurde, fragt man sich unwillkürlich: gibt es auch in der Theaterszene Klassenkampf? Die kleinen Theater sind die Theater des kleinen Mannes. Wenn sie benachteiligt werden, geht das auch uns was an. Deshalb wollen wir uns aus erster Hand über die Probleme der Münchner Kleintheater informieren.“3


1 Vgl. „Der Frieden, das ist der höchste Schwierigkeitsgrad“ Ein Gespräch von Rolf Liese, Carl Nissen, Jost Maxim und Ernst Antoni in: tendenzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 142 vom April 1983, 22 ff.

2 Vgl. tendenzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 144 vom Oktober 1984, 31.

3 Deutscher Freidenkerverband e.V. Ortsgruppe München, Veranstaltungs-Programm 1983, München 1982, 17. Siehe „Kleintheater in München“ von Boris Heczko.