Flusslandschaft 1983

Medien

„HU-Protest gegen einen Anti-Holocaust-Film – Die Humanistische Union hat sich in einem Brief an den Intendanten des Bayrischen Rundfunks und an die Rundfunkräte dieser Anstalt gewandt gegen die am 7. April 1983 ausgestrahlte Sendung ‚Warum wir Hitler folgten’. ‚Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik’, heißt es in diesem Protestschreiben, ‚ist in dieser Sendung das nationalsozialistische Regime dadurch offen verherrlicht worden, dass die Aussagen national-so-
zialistisch gesinnter Zeitzeugen, durchsetzt mit Hitlerreden, nicht als Teilstück, sondern für den Zuschauer letztlich exemplarisch für die Wirklichkeit des deutschen Faschismus erscheinen muss-
ten. Der Skandal besteht darin, dass Gegenpositionen erst zu nachtschlafender Zeit zu Wort ka-
men. Die HU wendet sich nicht dagegen, dass ehemalige Nationalsozialisten oder Mitläufer im Fernsehen auftreten; die Grenze der Zumutbarkeit ist jedoch überschritten, wenn in der besten Sendezeit ein solcher Anti-Holocaust-Film der Rechtfertigungen gesendet wird, bei dem die fatale Wirklichkeit des Regimes ausgeblendet bleibt’. Intendant und Rundfunkräte wurden aufgefordert, einer solchen Form der ‚geistigen Wende’ entgegenzutreten.“1

In München befinden sich vier dezidiert sich politisch verstehende Buchhandlungen, nämlich adalbert 14 in der Adalbertstraße 14, 8000 München 40, Basis, Adalbertstraße 41b, 8000 München 40, Libresso-Buchhandlung, Türkenstraße 66, 8000 München 40 und Tramplpfad Bücherladen, Elsässerstraße 15, 8000 München 80.

Ab Weihnachten 1983 soll die Zukunft beginnen: Kabelfernsehen. 1980 wurde die Projektkom-
mission Kabelpilotprojekt München
eingerichtet. Schon bald entstand der „Verein zur Förderung des naheliegenden Gedankens, dass wir nicht mehr Fernsehen brauchen“, den dann die professio-
nell arbeitende Bürgerinitiative gegen Kabel-Kommerz (BIKK) ablöste: „Angeblich planen sie publizistische Vielfalt, aber wir wissen, sie wollen nur, dass immer mehr Leute in ihren Wohn-
höhlen bleiben.“ – München und Ludwigshafen sind die beiden Städte, in denen das bundesdeut-
sche Kabelfernsehen aus der Taufe gehoben werden soll. Petra Thorbrietz (BIKK): „Die CSU plant für die Medienzukunft ein neues öffentlich-rechtliches Dach, um langfristig Private zuzulassen und unter Kontrolle zu halten, um Gebühren für die teuren Programme erheben zu können und um dem öffentlich-rechtlichen System das Wasser abzugraben. Für das Pilot-Projekt ist der Bayerische Rundfunk aber noch gut genug, um all jene Programme zu finanzieren, die zur Ausgewogenheit benötigt, aber kommerziell nicht angeboten werden. Denn unter Mühlfenzels Programmvorschlä-
gen sind viele Seifenblasen! Der offene Bürgerkanal findet nicht statt, Kultur und Bildung muß man in Industrie- und Wirtschaftsfilmen sowie alten Kamellen aus den ehemaligen Studio-Pro-
grammen des BR suchen. Die urheberrechtlichen Probleme bei kulturellen live-Übertragungen sind längst nicht geklärt, der ‚Innovationskanal’ zeigt Filme und Unterhaltung, regionales Fern-
sehen findet zunächst nur unter Ausschluss der ‚linken’ Sender WDR, HR und NDR statt.“2 Kontakt: BIKK, Klaus Winckler, Winterstraße 2 Rgb., 8000 München 90


1 Mitteilungen der Humanistischen Union vom Mai 1983, 15.

2 Vgl. tendenzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 145 vom Januar 1984. Vgl. dazu auch: Was ist, wem nützt, wer will Kabel-Fernsehen? Bayerische Initiative Rundfunkfreiheit e.V., München 1978. Siehe „Kabelpilotprojekt weiter umstritten“.