Flusslandschaft 1998
Armut
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Am 5. Februar demonstrieren 40.000 Menschen in bis zu zweihundert Städten gegen die hohe Erwerbslosigkeit. Auslöser sind die Veröffentlichungen der Arbeitslosenzahlen für Januar. In München demonstriert frau/man vor und im Arbeitsamt.1
Am 8. Mai stehen drohend sieben große Holzelefanten vor dem Arbeitsamt in der Kapuzinerstraße. Aber es sind lediglich etwa siebzig Erwerbslose, die wütend demonstrieren. Der Aufruf zur Demo findet nur mäßige Resonanz.2
»Ich hänge in der Warteschleife / wiedereinmal. / Ich könnte für diese Stelle der Richtige sein. / Ich höre wiedereinmal: / bitte warten – / bitte warten – / das in Musik entgleitet. / Aus Tagen werden Wochen. / Wenn sie mich nehmen würden, / es wäre eine neue Welt … / Ich werde von dem Signal / jäh aus der Hoffnung gerissen – / kein Anschluß unter dieser Nummer / – unter dieser Nummer / – dieser Nummer / wieder / – und / wieder, / – unermüdlich.« Wolf-Dieter Krämer am 29. Mai
Am 9. Juni findet eine weitere Erwerbslosen-Demo in München statt.3
Über 1 Million Kinder und Jugendliche empfingen 1998 in der BRD Hilfe zum Lebensunterhalt (»Sozialhilfe«), jedes 7. Kind bzw. jedeR 7. Jugendliche in Deutschland lebt unter der Armutsgrenze. Bei den 18 – 21jährigen betrug der Zuwachs an HilfeempfängerInnen in diesem Zeitraum 52,2 Prozent, bei den deutschen Jugendlichen ein Zuwachs um 58,1 Prozent, bei den ausländischen um 35,1 Prozent.4
(geändert am 10.8.2018)
1 Siehe „Arbeitslose schlagen Krach“; Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen.
2 Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 9. Mai 1998.
3 Siehe „Lassen uns den Mut nicht nehmen“ von Gitti Götz.
4 Statistisches Bundesamt 1998
Diesen Artikel zitieren
Armut. In: Protest in München seit 1945. Stand: 20. März 2026. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/1135 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).