Flusslandschaft 1966

Internationales

Allgemeines
Vietnam und USA
Spanien


Frantz Fanons Manifest der antikolonialen Revolution „Die Verdammten dieser Erde“ erscheint bei „Suhrkamp“. Zur Guerilla-Haltung der Situationisten gesellt sich eine zweite und legiert zu einer brisanten Mischung.1

VIETNAM und USA

Die Bundesregierung veröffentlicht am 7. Januar eine Erklärung, in der sie den US-Krieg in Vietnam unterstützt. In der Nacht vom 3. zum 4. Februar kleben Mitglieder der Internationalen Befreiungsfront und des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in München und in Berlin Plakate, die Bundeskanzler Erhard und die Bonner Parteien der Unterstützung des Mordes in Vietnam bezichtigen.2

Am 24. Februar kommt es zu einer Demo gegen den Vietnam-Krieg, zu der vier Studentenverbände aufgerufen haben.3 Am Tag danach demonstrieren noch einmal vierhundert Studenten gegen den Vietnamkrieg.4 Am 28. Februar distanzieren sich andere Studentengruppen von den Vietnam-Demonstranten.5

25. bis 27. März: „Internationale Vietnamtage“ der Kampagne für Demokratie und Abrüstung.6 — Die Demonstration vom 13. Juni plädiert für ein baldiges Ende des Vietnamkrieges.7




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Samstag, 2. Juli: Bei einer Podiumsdiskussion in der Technischen Hochschule begrüßen Studie-
rende den US-amerikanischen Professor Klaus Herrmann mit „Sieg-Heil“-Rufen. Herrmann versucht, die Haltung der US-Regierung zu verteidigen. Der Schweizer Publizist Hans Henle meint dagegen, die Nationale Befreiungsfront sei die wirkliche Repräsentanz der südvietnamesischen Bevölkerung: tosender Applaus. — Am 4. Juli kommt es zu heftigen Rangeleien vor dem US-Generalkonsulat in der Königinstraße 5 – 7. Mit roter Flüssigkeit gefüllte Flaschen fliegen gegen die Fassade. Dieter Kunzelmann wird verhaftet.9 — Bei einer Podiumsdiskussion über die Vietnampolitik kommt es am 5. Juli zu einer Demonstration.10 — Am 6. Juli kommt es zu Tumulten vor dem US-Generalkonsulat.11

29. November: „Zwischenfall bei Vietnam-Demonstration“.12 „Vietnam-Protest und Handgemenge – MÜNCHEN, 29. November (UPI). Bei einer Demonstration von rund 500 Studenten und Gastarbeitern vor dem amerikanischen Generalkonsulat in München ist es zu einem Handgemenge zwischen den Demonstranten und der Polizei gekommen, die die in den Vorgarten des Konsulats drängende Menge zurückhielt. Dabei riefen die Demonstranten, unter ihnen eine Reihe von langhaarigen Jugendlichen, der Polizei Worte wie ,Nazis’, ,Gestapo-Methoden’ und ,Ami-Polizei’ entgegen. Ein Demonstrant wurde verletzt. Nach Auskunft der Münchener Polizei wurde niemand verhaftet, jedoch seien von den ‚lautesten Schreiern’ Fotos gemacht worden. Möglicherweise werde gegen sie ein Verfahren wegen Beleidigung eines fremden Staatsoberhauptes eingeleitet.“13

SPANIEN

„Die Humanistische Studentenunion München sandte am 22. März 1966 zusammen mit der Münchner Gesellschaft der Freunde junger Kunst an General Franco ein Telegramm, in dem gegen die Verhaftung zahlreicher Studenten und Professoren der Universität Barcelona protestiert und die sofortige Freilassung aller Inhaftierten gefordert wird.“14
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1 Siehe „Aspekte der Guerilla-Form“ von Jens Kastner.

2 Siehe „Erhard und die Bonner Parteien unterstützen MORD“.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung 47/1966.

4 Vgl. Süddeutsche Zeitung 48/1966.

5 Vgl. Münchner Merkur 49/1966.

6 Broschüre/Programm: Stadtarchiv, Zeitgeschichtliche Sammlung 190/5.

7 Vgl. Süddeutsche Zeitung 140/1966.

8 Flugblattsammlung, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

9 Vgl. Rainer Langhans/Fritz Teufel, Klau mich, München 1977, unpag.

10 Vgl. Münchner Merkur 157/1966.

11 Vgl. Süddeutsche Zeitung 160/1966.

12 Vgl. Süddeutsche Zeitung 285/1966.

13 Frankfurter Rundschau vom 30. November 1966.

14 Mitteilungen der Humanistische Union 26 vom März/April 1966, 13.