Flusslandschaft 1979

Umwelt

14. Februar: „Zur Zeit gründen Tram-Fans ein eigenes Bürgerkomitee, dem Stadträte, Politiker aller Parteien, Verkehrsexperten und Prominente angehören, die alle die Münchner Tram retten wollen. Wenn es nämlich nach den Plänen der Verkehrsbetriebe geht, wird die Straßenbahn … ab 1980 Zug um Zug beseitigt. Dann sollen in München nur noch U-Bahnen und Busse fahren.“1

5. Mai: Demonstrationsfahrt von 1.600 Radlern.

Eine Bürgerinitiative aus dem Allgäu demonstriert am 19. Mai in der Fußgängerzone gegen eine Autobahn in ihrem Gebiet.2

7. Juli: Protestveranstaltung gegen Cadmium-verseuchte Klärschlammdeponie.3

Der Bayerische Ministerrat beschloss am 5. August 1969 den Bau eines neuen Großflughafens für München bei Erding. Die Kosten für den 28 km vom Stadtzentrum entfernt gelegenen Flughafen München II wurden auf 1,4 Milliarden DM geschätzt. — Am 9. Oktober 1972 kam es zu einem Trauerzug wegen des geplanten Großflughafens München II.4 — 1974 wurden Klagen gegen die luftrechtliche Genehmigung abgewiesen. — Vom 27. bis 29. Juli findet in Franzheim im Erdinger Moos ein Anti-Flughafen-Festival statt.5 — Im August 1979 wird der Planfeststellungsbeschluss mit der sofortigen Vollziehbarkeit von der Regierung von Oberbayern erlassen. Der Bau kann beginnen. Dagegen klagen 5.274 Menschen, aber nur vierzig von ihnen werden als sogenannte Musterkläger zugelassen.

8. November: „Für eine Verbesserung des Lebensraumes und gegen eine Belastung mit Lärm, Schutz, Gift und Abgasen wollen acht Bürgerinitiativen des Münchner Nordens kämpfen, wie sie auf ihrer ersten gemeinsamen Veranstaltung beschließen. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen den Großflughafen München II, gegen die Errichtung des Rangierbahnhofes im Münchner Norden und gegen die künftige Nutzung des Alabama-Geländes als Gewerbegebiet durch die Firma BMW in Milbertshofen.6 Im Bereich der Umweltbelastung treten die Initiativen für eine sofortige Beseitigung des Umweltgiftes Cadmium in der Freimann Giftschlamm-Deponie, für eine Einstellung der Abgabe schädlicher Immissionsstoffe durch die Firma Bärlocher sowie eine Aufhebung der von der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung ausgehenden Gefahren ein. Ebenso lehnen sie einen weiteren Bau von Schnellstraßen in ihrem Stadtteil ab.“7


1 Stadtchronik, Stadtarchiv München.

2 Vgl. Süddeutsche Zeitung 116/1979.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung 155/1979.

4 Vgl. Abendzeitung 235/1972.

5 Siehe „Wenn jezz nix lafft, werd baut …!!!“.

6 Siehe „Ein Vergleich –- Alabamagelände“.

7 Stadtchronik, Stadtarchiv München; siehe Schults „Die Bärlocher Story Nr. 7“; siehe dazu auch „Der Norden“ 1973.