Flusslandschaft 1981

Atomkraft

Die Großdemonstration in Brokdorf vom 28. Februar mit 100.000 Teilnehmern sorgt bundesweit für Aufsehen. Münchnerinnen und Münchner, die zur Demonstration mit dem Zug fahren, werden schon am Hauptbahnhof von einem massiven Polizeiaufgebot erwartet.1 — 4. April 1981: „Rund neunhundert Bürger aus der oberpfälzischen Stadt Mitterteich und Umgebung ziehen in einem Demonstrationszug gegen die in ihrer Heimat geplante Landessammelstelle für radioaktiven Müll zur Staatskanzlei, wo die drei Vorsitzenden der ‚Bürgerinitiative gegen Atommüll im Grenzland’ eine Resolution übergeben.“2

Am 9. Oktober gründet sich die Bürgerinitiative Schwandorf, die eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf spielen wird.

Aufklärung ist ein sehr mühsames Geschäft. An einem düsteren und nasskalten Abend des 29. Dezember treffen sich einige Menschen im Konferenzraum des Bundesbahnhotels am Hauptbahnhof. Es spricht Professor Gordon K. McLoid, der ehemalige Gesundheitsminister von Pennsylvania. Der ältere Herr, ein freundlicher, konservativer Mann, berichtet, wie er nach dem Unfall am 28. März 1979 im Atommeiler Tree Mile Island in Harrisburg Untersuchungen vornahm und deshalb seinen Hut nehmen musste. Wie immer sind die Zuhörerinnen und Zuhörer schon informiert, die, die sich informieren müssten, sind nicht anwesend.3


1 Siehe „Presserklärung BBU Stadtverband München, Die Grünen“ und „Meine Eindrücke von Brokdorf“ von Stefan.

2 Stadtchronik, Stadtarchiv München; vgl. Süddeutsche Zeitung 80/1981.

3 Siehe „Wir nehmen Ängste ernst“.