Flusslandschaft 1981

CSU

Die Biermösl Blosn spuit beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus am Platzl. Mancher anwesende CSU-Politiker hat seine klammheimliche Freude.1

Bei einer Veranstaltung der Jungen Union (JU) kommt es am 13. Mai zu lautstarken Protesten.2

Franz Josef Strauß meint 1981: „Ich habe zu Hause so viele Waffen, dass ich eine ganze Polizeista-
tion ausrüsten könnte“3 „… Was macht dieses Strauß-Wort klar? Erstens: Der Mann hat Angst. Kann man in seinem Hause Waffen dulden, wenn man frei davon ist, Alpträume zu haben, in denen man überfallen, entführt oder erpresst wird? Zweitens: So viele Waffen zu besitzen, deutet auf Waffenfetischismus hin. Das Erotische an der Waffentechnik wie am Töten wird betont. Und drittens: Wer damit prahlt, so viele Waffen zu besitzen, dass er damit eine Polizeistation ausrüsten könnte, der droht. Franz Josef Strauß spricht heute noch gern davon, dass er der erste Atommini-
ster der Bundesrepublik Deutschland gewesen sei. Er muss es sich also gefallen lassen, wenn wir den Atomstaat mit seiner Person in Verbindung bringen …“4

Annette Schorb und Bernhard Inderst haben auf einem Plakat Franz Josef Strauß beleidigt. Am
28. September findet der Prozess statt.5

Über Jahre hinweg haben alle etablierten Parteien entgegen den gesetzlichen Vorschriften in gro-
ßem Umfang, oft über den Umweg gemeinnützig eingestufter parteinaher Organisationen, Spen-
den des Flick-Konzerns erhalten. Von 1969 bis 1980 gingen 15 Millionen DM an die CDU/CSU, 6,5 Millionen an die FDP und 4,3 Millionen an die SPD. 1975 verkaufte der Flick-Konzern Aktien im Wert von fast zwei Milliarden DM, um den Erlös zu reinvestieren. Dafür erwirkte er beim Bundes-
finanzministerium eine Steuerbefreiung. „In Vernehmungsprotokollen der seit Mai 1981 ermitteln-
den Staatsanwaltschaft tauchen neue Namen auf: so Walter Scheel, so Josef Ertl, so Horst Ehmke, so Franz Josef Strauß. Frage des Staatsanwalts an Strauß: ‘Haben Sie Zuwendungen vom Flick-Konzern erhalten?’ Antwort: ‘Mein Name oder der Name der CSU ist für diesen Vorgang nicht spe-
zifisch …’ Im Fall FJS/CSU geht es um dreimal 250.000 und einmal 200.000, summa 950.000 Mark, zugewendet in den Jahren 1975 bis 1979. Strauß laut Protokoll: ‘Ich darf nebenbei bemer-
ken, dass es sich hier nicht um die Honorierung von Ratschlägen handelt, sondern um eine bestimmte politische Linie im Inland und Ausland.’"6

Siehe auch „Zensur“.


1 Siehe „Des san ja Linke“ von Karl Förster.

2 Vgl. Süddeutsche Zeitung 111/1981.

3 Die Zeit 1/1982, www.zeit.de/1982/01/worte-des-jahres/seite-10.

4 Georg Gaede: „Ich habe zu Hause so viele Waffen, dass ich eine ganze Polizeistation ausrüsten könnte“ In: Der Zeitgenosse. Zeitschrift der Aktion Lebensqualität 1/1986, 27.

5 Siehe „Beleidigung?“.

6 Der Spiegel 48 vom 29. November 1982, 3. Siehe Steuerfahnder Klaus Förster gegen den Rest der Republik. Dokumentation in: www.anstageslicht.de (Dokumentationszentrum Couragierte Recherchen und Reportagen an der Hochschgule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Vgl. dazu auch Hans Werner Kilz/Joachim Preuß, Die gekaufte Republik, Reinbek 1983.