Flusslandschaft 1981

Internationales

Allgemeines
- USA
- Türkei
- El Salvador und USA
- Iran
- Italien
- Kroatien
- Albanien
- Südkorea
- USA und Nicaragua
- Panama und USA
- UdSSR
- Polen


»THE TRUE CAUSES OF HUNGER« SAID THE INTERNATIONAL LABOUR ORGANISATION (ILO) »ARE FIRST OF ALL TO BE FOUND ON THE GRAVEY-STAINED PLATES OF THE NOR-
THERNES (I.E. THE WESTERN COUNTRIES). THE POLITICS PERMIT THE MULTINATIO-
NALS TO STUFF THE NORTHERN POPULATIONS WITH A WIDE VARIETY OF EXOTIC FOODSTUFFS AND TO KEEP AT THE HEAD OF THE MANY THIRD WORLD COUNTRYS (WITH THE ACTIVE HELP OF NORTHERN GOVERNMENTS) A CORRUPT OLIGARCHY WHOSE WESTERN BANK ACCOUNTS SWELL WHILE THEIR PEOPLES’ BELLIES SWELL FROM HUNGER1

USA

Ronald Reagan: „Ich scheue mich nicht vorzuschlagen, dass wir unseren Kreuzzug beginnen, ver-
eint in einem kurzen stillen Gebet.“2

„Michael Blank, 27, Beamter, München: Wie stehen Sie zu den Kulturkürzungen in Amerika von Präsident Reagan? Joseph Beuys: Ich überlege mir gerade, ob ich überhaupt noch nach Amerika gehen soll, solang diese Entwicklung ist, mit atomarer Nachrüstung und diesem abgestandenen Amerikanismus mit Blickrichtung auf Weltmacht.“3

TÜRKEI

Türken, die vor der Militärdiktatur in ihrer Heimat nach München geflohen sind, befinden sich im Hungerstreik.4

Am 14. März findet die zentrale Demonstration gegen die türkische Militärjunta in Frankfurt am Main um 12 Uhr auf dem Paulsplatz statt. Viele Münchnerinnen und Münchner nehmen teil.

Türken besetzen am 11. Mai im Rahmen einer bundesweiten Aktion die Schwabinger Kreuzkirche.5

Im Frühherbst reisen mehrere Mitglieder des Republikanischen Anwaltsvereins in die Türkei, um mit eigenen Augen festzustellen, ob im Land noch rechtsstaatliche Grundsätze angewendet wer-
den. Unter ihnen befinden sich die Münchner Rechtsanwälte Paul Heyse und Helmut Strobl.6


7

Siehe auch „Gewerkschaften/Arbeitswelt“.

EL SALVADOR und USA

US-Außenminister Alexander Haig: „Wir wollen eine Welt gestalten, in der die amerikanischen Werte sich frei entfalten können.“8

Am 31. Januar findet eine Großkundgebung unter dem Otto „Stoppt die US-Intervention in El Salvador“ in Frankfurt am Main statt. Um 5.15 Uhr in der frühe fahren Busse am Münchner Hauptbahnhof-Nord Richtung Frankfurt. Die Fahrtkosten betrage 30.- DM.

Die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti (FMLN) wird zur bestimmenden Kraft gegen die von den USA eingesetzte Regierung. Die El-Salvador-Solidaritätsbewegung ruft im Juni zum Boykott der Kaffeekonzerne auf. Die Dritte-Welt-Problematik beherrscht die Diskussionen. Auch in der SPD.9

Der Mörder von Erzbischof Romero, Roberto d’Aubuisson, gründet am 30. September die natio-
nalistische Partei ARENA, deren Todesschwadronen Tausende Regimegegner umbringen. Am 11. Dezember ermordet das Militär in El Mozote, einer kleinen Stadt, Hunderte Einwohner. Nur noch die Kinder, viele von ihnen unter 12 Jahre alt, dazu einige Säuglinge, sind übrig. Soldaten streiten sich vor einem Schulhaus, einige weigern sich, das Massaker fortzuführen. Da kommt der Major. Ohne zu zögern holt einen kleinen Jungen aus einer Gruppe von Kindern, wirft ihn in die Luft und fängt ihn mit einem Bajonett auf, als er wieder herunterkommt. Das Massaker geht weiter. Am Ende sind 800 Menschen tot.

Der Terror der salvadorianischen Nationalgarde und der Todesschwadronen dauert von 1980 bis 1992 und fordert etwa 75.000 Menschenleben. Mit stillschweigender, aber finanzieller und logisti-
scher Unterstützung der US-Regierung. Auch nach dem Friedensschluss 1992 setzt die ARENA ihre Mordaktionen fort, was von den UN mehrfach verurteilt wird. 2012 sind die Verantwortlichen für das Massaker von El Mozote immer noch nicht zur Verantwortung gezogen worden.

IRAN

11. Februar: „Gegen die Herrschaft der Mullahs, deren offizielle Machtübernahme in Persien sich heute zum zweiten Mal jährt, protestieren rund hundert Iraner vor ihrem Generalkonsulat in der Prinzregentenstraße 78. Die Demonstranten, die nach einer Kundgebung auf dem Marienplatz durch die Stadt ziehen, setzen sich aus Anhängern einer Exilvereinigung ehemaliger Offiziere und Generäle des gestürzten Ministerpräsidenten Bakhiar sowie aus unterschiedlich politisch orien-
tierten Studentengruppen zusammen. Vor dem Konsulat stoßen auch Anhänger des ehemaligen Schahs zu den Demonstranten.“10

Perser dringen am 24. Juli ins iranische Generalkonsulat ein, um gegen das Khomeini-Regime zu protestieren.11 — Am 1. August kommt es zu einer Demonstration für Khomeini und gegen Israel.12 — Am 4. August erfolgt eine Anzeige gegen die Organisatoren dieser Demo.13

Perser demonstrieren am 31. Oktober gegen das Khomeini-Regime im Iran.14

ITALIEN

Am 21. Februar protestieren italienische Lehrer in ihrem Generalkonsulat in der Möhlstraße 3 we-
gen des Ausbleibens ihrer Gehälter.15

KROATIEN

Exil-Kroaten demonstrieren am 18. April gegen die jugoslawische Regierung.16

ALBANIEN

Albanische Gastarbeiter aus Jugoslawien demonstrieren am 16. Mai gegen die Politik ihres Lan-
des.17

SÜDKOREA




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USA und NICARAGUA

„1981/85 Nicaragua: Aus dem Waffengeschäft mit dem Iran finanziert die US-Regierung den Auf-
bau und Unterhalt einer Söldnertruppe in Nicaragua, die sich vor allem aus Soldaten und Offizie-
ren der Armee des früheren Diktators Somoza zusammensetzt. Dieser Einsatz von mehreren Tau-
send »Contras« widerspricht einer ausdrücklichen Festlegung des US-Kongresses. Neben den Geldern aus dem Waffengeschäft mit dem Iran stehen der CIA weitere Finanzquellen zur Verfü-
gung. Die US-Piloten schaffen über Costa Rica, Honduras und Panama Waffen heran, auf dem Rückflug in die USA nehmen sie Drogen mit, die auf diese Weise in die USA gelangen. Partner der CIA ist das Drogenkartell von Medellin. 1986 stellt der Internationale Gerichtshof in Den Haag fest, dass die paramilitärischen Aktionen der USA das Völkerrecht verletzt haben.“19

PANAMA und USA

Die Panamaerinnen und Panamaer wollen die Souveränität über ihr Land und den Kanal. Das Parlament von Panama wählte am 11. Oktober 1972 General Omar Torrijos zum „Großen Führer der Revolution von Panama“. 1973 blockierten die USA mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat die Übertragung der Hoheitsrechte. General Torrijos stirbt bei einem Flugzeugattentat am 1. August 1981. Die genauen Umstände seines Todes werden nie geklärt. Viele vermuten, dass die CIA ihre Finger im Spiel hatte.

UdSSR

21. November: Schweigemarsch zum Breschnew-Besuch in Bonn.20

POLEN

Da in Polen seit dem 13. Dezember das Kriegsrecht herrscht, ruft am 18. Dezember der Bund der Deutschen Katholischen Jugend gemeinsam mit Kardinal Ratzinger, dem Leiter der polnischen katholischen Mission in München, „zu einer ‚Kundgebung des Gebetes und der Solidarität mit dem polnischen Volk’ auf.“ An der Demonstration, die am 21. Dezember stattfindet, beteiligen sich mehr als siebentausend Menschen, darunter auch Ministerpräsident Franz Josef Strauß sowie Mitglieder der Staatsregierung und des Stadtrats. „Der Demonstrationszug“, so berichtet der Chronist, „gilt der Freilassung von Arbeiterführer Lech Walesa und anderen politischen Gefan-
genen, aber auch der christlichen Solidarität mit hungernden Kindern und weinenden Müttern in Polen.“21

(zuletzt geändert am 19.12.2020)


1 „Die wahren Ursachen des Hungers“, sagte die Internationale Arbeiterorganisation „sind an erster Stelle auf den fettbe-
fleckten Tellern der Nordländer {d.h. die westlichen Länder} zu finden. Die Politik erlaubt es den Multinationalen, die nördliche Bevölkerung mit einer großen Vielzahl von exotischen Nahrungsmitteln zu beliefern und an der Spitze vieler Dritte Welt Länder {mit aktiver Hilfe der nördlichen Regierungen} eine korrupte Oligarchie zu halten, deren westliche Bankkonten anschwellen, während die Bäuche ihrer Völker vor Hunger anschwellen.“ — New African, November 1981

2 Zitiert in Konkret Sonderheft Atomkrieg, Hamburg 1983, 45.

3 tz vom 2. September 1981, 8.

4 Siehe „Liebe Tante Hildegard“ von Michi Brücher.

5 Vgl. Süddeutsche Zeitung 109/1981.

6 Siehe „Prozessbericht Diyarbakir II“ der Rechtsanwälte A. Fenk, P. Heyse und H. Strobl.

7 Sammlung Türkei, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

8 Zitiert in www.us-politik.ch/teil12.htm.

9 Siehe „Nord-Süd; das Überleben sichern“.

10 Stadtchronik, Stadtarchiv München. Vgl. Süddeutsche Zeitung 35/1981.

11 Vgl. Süddeutsche Zeitung 168/1981.

12 Vgl. Süddeutsche Zeitung 175/1981.

13 Vgl. Süddeutsche Zeitung 177/1981.

14 Vgl. Süddeutsche Zeitung 252/1981.

15 Vgl. Süddeutsche Zeitung 44/1981.

16 Vgl. Süddeutsche Zeitung 91/1981.

17 Vgl. Süddeutsche Zeitung 113/1981.

18 Sammlung Südkorea, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

19 Conrad Schuhler, Return to sender? In: konkret 11 vom November 2001, 18 f.

20 Vgl. Süddeutsche Zeitung 267/1981.

21 Stadtchronik, Stadtarchiv München. Vgl. Süddeutsche Zeitung 290/1981 und 296/1981.