Flusslandschaft 1981

Internationales

USA
Türkei
El Salvador und USA
Iran
Italien
Kroatien
Albanien
USA und Nicaragua
Panama und USA
UdSSR
Polen


USA

Ronald Reagan: „Ich scheue mich nicht vorzuschlagen, dass wir unseren Kreuzzug beginnen, vereint in einem kurzen stillen Gebet.“1

TÜRKEI

Türken, die vor der Militärdiktatur in ihrer Heimat nach München geflohen sind, befinden sich im Hungerstreik.2

Türken besetzen am 11. Mai im Rahmen einer bundesweiten Aktion die Schwabinger Kreuzkirche.3

Siehe auch „Gewerkschaften/Arbeitswelt“.

EL SALVADOR und USA

US-Außenminister Alexander Haig: „Wir wollen eine Welt gestalten, in der die amerikanischen Werte sich frei entfalten können.“4

Am 31. Januar findet eine Großkundgebung unter dem Otto „Stoppt die US-Intervention in
El Salvador“ in Frankfurt am Main statt. Um 5.15 Uhr in der frühe fahren Busse am Münchner Hauptbahnhof-Nord Richtung Frankfurt. Die Fahrtkosten betrage 30.- DM.

Die FMLN (Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti) wird zur bestimmenden Kraft gegen die von den USA eingesetzte Regierung. Die El-Salvador-Solidaritätsbewegung ruft im Juni zum Boykott der Kaffeekonzerne auf. Die Dritte-Welt-Problematik beherrscht die Diskussionen. Auch in der SPD.5

Der Mörder von Erzbischof Romero, Roberto d’Aubuisson, gründet am 30. September die natio-
nalistische Partei ARENA, deren Todesschwadronen Tausende Regimegegner umbringen. Regie-
rungstruppen foltern, vergewaltigen und töten im Dezember 767 Bewohner des salvadorianischen Dorfs El Mozote.

Der Bürgerkrieg in El Salvador dauert von 1980 bis 1992 und fordert etwa 75.000 Menschenleben. Auch nach dem Friedensschluss 1992 setzt die ARENA ihre Mordaktionen fort, was von den UN mehrfach verurteilt wird. 2012 sind die Verantwortlichen für das Massaker von El Mozote immer noch nicht zur Verantwortung gezogen worden.

IRAN

11. Februar: „Gegen die Herrschaft der Mullahs, deren offizielle Machtübernahme in Persien sich heute zum zweiten Mal jährt, protestieren rund hundert Iraner vor ihrem Generalkonsulat in der Prinzregentenstraße 78. Die Demonstranten, die nach einer Kundgebung auf dem Marienplatz durch die Stadt ziehen, setzen sich aus Anhängern einer Exilvereinigung ehemaliger Offiziere und Generäle des gestürzten Ministerpräsidenten Bakhiar sowie aus unterschiedlich politisch orien-
tierten Studentengruppen zusammen. Vor dem Konsulat stoßen auch Anhänger des ehemaligen Schahs zu den Demonstranten.“6

Perser dringen am 24. Juli ins iranische Generalkonsulat ein, um gegen das Khomeini-Regime zu protestieren.7 — Am 1. August kommt es zu einer Demonstration für Khomeini und gegen Israel.8 — Am 4. August erfolgt eine Anzeige gegen die Organisatoren dieser Demo.9

Perser demonstrieren am 31. Oktober gegen das Khomeini-Regime im Iran.10

ITALIEN

Am 21. Februar protestieren italienische Lehrer in ihrem Generalkonsulat in der Möhlstraße 3 wegen des Ausbleibens ihrer Gehälter.11

KROATIEN

Exil-Kroaten demonstrieren am 18. April gegen die jugoslawische Regierung.12

ALBANIEN

Albanische Gastarbeiter aus Jugoslawien demonstrieren am 16. Mai gegen die Politik ihres Landes.13

USA und NICARAGUA

„1981/85 Nicaragua: Aus dem Waffengeschäft mit dem Iran finanziert die US-Regierung den Auf-
bau und Unterhalt einer Söldnertruppe in Nicaragua, die sich vor allem aus Soldaten und Offizie-
ren der Armee des früheren Diktators Somoza zusammensetzt. Dieser Einsatz von mehreren Tau-
send »Contras« widerspricht einer ausdrücklichen Festlegung des US-Kongresses. Neben den Geldern aus dem Waffengeschäft mit dem Iran stehen der CIA weitere Finanzquellen zur Verfü-
gung. Die US-Piloten schaffen über Costa Rica, Honduras und Panama Waffen heran, auf dem Rückflug in die USA nehmen sie Drogen mit, die auf diese Weise in die USA gelangen. Partner der CIA ist das Drogenkartell von Medellin. 1986 stellt der Internationale Gerichtshof in Den Haag fest, dass die paramilitärischen Aktionen der USA das Völkerrecht verletzt haben.“14

PANAMA und USA

Die Panamaerinnen und Panamaer wollen die Souveränität über ihr Land und den Kanal. Das Parlament von Panama wählte am 11. Oktober 1972 General Omar Torrijos zum „Großen Führer der Revolution von Panama“. 1973 blockierten die USA mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat die Übertragung der Hoheitsrechte. General Torrijos stirbt bei einem Flugzeugattentat am 1. August 1981. Die genauen Umstände seines Todes werden nie geklärt. Viele vermuten, dass die CIA ihre Finger im Spiel hatte.

UdSSR

21. November: Schweigemarsch zum Breschnew-Besuch in Bonn.15

POLEN

Da in Polen seit dem 13. Dezember das Kriegsrecht herrscht, ruft am 18. Dezember der Bund der Deutschen Katholischen Jugend gemeinsam mit Kardinal Ratzinger, dem Leiter der polnischen katholischen Mission in München, „zu einer ‚Kundgebung des Gebetes und der Solidarität mit dem polnischen Volk’ auf.“ An der Demonstration, die am 21. Dezember stattfindet, beteiligen sich mehr als siebentausend Menschen, darunter auch Ministerpräsident Franz Josef Strauß sowie Mitglieder der Staatsregierung und des Stadtrats. „Der Demonstrationszug“, so berichtet der Chronist, „gilt der Freilassung von Arbeiterführer Lech Walesa und anderen politischen Gefan-
genen, aber auch der christlichen Solidarität mit hungernden Kindern und weinenden Müttern in Polen.“16


1 Zitiert in Konkret Sonderheft Atomkrieg, Hamburg 1983, 45.

2 Siehe „Liebe Tante Hildegard“ von Michi Brücher.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung 109/1981.

4 Zitiert in www.us-politik.ch/teil12.htm.

5 Siehe „Nord-Süd; das Überleben sichern“.

6 Stadtchronik, Stadtarchiv München. Vgl. Süddeutsche Zeitung 35/1981.

7 Vgl. Süddeutsche Zeitung 168/1981.

8 Vgl. Süddeutsche Zeitung 175/1981.

9 Vgl. Süddeutsche Zeitung 177/1981.

10 Vgl. Süddeutsche Zeitung 252/1981.

11 Vgl. Süddeutsche Zeitung 44/1981.

12 Vgl. Süddeutsche Zeitung 91/1981.

13 Vgl. Süddeutsche Zeitung 113/1981.

14 Conrad Schuhler, Return to sender? In: konkret 11 vom November 2001, 18 f.

15 Vgl. Süddeutsche Zeitung 267/1981.

16 Stadtchronik, Stadtarchiv München. Vgl. Süddeutsche Zeitung 290/1981 und 296/1981.