Flusslandschaft 1968

Militanz

Am 11. April, dem Gründonnerstag, schießt in Berlin der Münchner Arbeiter Josef Erwin Bachmann den Sprecher des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) und APO-Aktivisten Rudi Dutschke nieder und verletzt ihn lebensgefährlich. Die APO sieht in dem Attentat die logische Konsequenz der vom Establishment und besonders von der Springerpresse betriebenen Pogromstimmung gegen die StudentInnen und ihre von der Presse als „Rädelsführer“ denunzierten besonders bekannten Vertreter. Vor dem „schwarzen Riesen“, dem Hertie-Hochhaus an der Leopoldstraße in Schwabing, sammeln sich Hunderte von Menschen. Ihr spontaner Protestzug geht zum Münchner Buchgewerbehaus, das sich in der Schellingstraße 49/Ecke Barerstraße in der Maxvorstadt befindet und in dem die Bild-Zeitung produziert wird. Noch am selben Abend werden in vielen Städten die Auslieferungszentren der Springerpresse belagert. In München wird um Mitternacht die Bild-Redaktion von etwa zweihundert wütenden DemonstrantInnen gestürmt, die Akten aus dem Fenster werfen. Die Polizei trifft erst um 1 Uhr in der Frühe ein, da sind die BesetzerInnen schon längst über alle Berge.

Am 12. April, Karfreitag, versuchen gegen 20 Uhr dreihundert bis vierhundert Leute vergeblich, die Auslieferung der Bild-Zeitung zu verhindern. Sie verbarrikadieren die Ausfahrt des Buchgewerbehauses in der Barerstraße mit „Balken, Bohlen, Stangen, Strohballen, Rohren, Steinen, leeren Treibstoff-Fässern und anlagebänken … Gegen 20:18 war die Barrikade errichtet. Sie rechte vom Gehweg vor dem Eingang zum Buchgewerbehaus bis fast zu den Straßenbahnschienen und hatte eine Höhe von ca. 1,50 m … Gleichzeitig war auch der Eingang zum Buchgewerbehaus in der Schellingstraße von Demonstranten blockiert …“1 Die Polizei geht mit Knüppeln und Wasserwerfer äußerst brutal vor. Erst gegen 23.30 Uhr ist die Barrikade beseitigt. Auch in den folgenden Tagen kommt es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den DemonstrantInnen und der Polizei.2

14. April, Ostersonntag: In den Oster-Gottesdiensten stören Zwischenrufe.3 — Der Ostermarsch 68 steht ganz im Zeichen des Attentats auf Rudi Dutschke. Nach einer Auftaktkundgebung auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus geht es zu einer Zwischenkundgebung auf den Viktualienmarkt, danach zur Abschlussveranstaltung am Alten Botanischen Garten. Flugblätter fordern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu auf, sich abends an den Aktionen gegen die Auslieferung der Bild-Zeitung an der Barerstraße zu beteiligen.

Vor einer Demo rufen die Polizeioffiziere der Bereitschaftspolizei bei Appellen regelmäßig „Freiwillige vortreten“. Da melden sich diejenigen sehr gerne, die Lust auf Raufereien haben oder unter einem erhöhten Hormonspiegel „leiden“. Andere, nachdenklichere Beamte halten sich da eher zurück. Vom 11. bis zum 18. April sind in München über sechs Hundertschaften der Bereitschaftspolizei im Einsatz.4

15. April: Am Ostermontag ist das Buchgewerbehaus weiträumig von der Polizei abgesperrt. An einen Barrikadenbau ist nicht zu denken, allerdings kommt es zur Demonstration und zu Sitzstreiks. Es werden einhunderteinundzwanzig DemonstrantInnen festgenommen.5 Der Fotoreporter Klaus Frings wird durch einen Steinwurf ins Gesicht so schwer verletzt, dass er zwei Tage später stirbt. Ein zweites Todesopfer ist mit dem Studenten Rüdiger Schreck zu beklagen, der an den Folgen einer Schädelfraktur stirbt.6 Die Polizei schiebt die Schuld sofort auf die DemonstrantInnen, viele Zeugenaussagen und ein Film lassen jedoch immer mehr Zweifel über die Todesursache aufkommen. Der Bruder des Studenten Rüdiger Schreck und die Rechtshilfe der APO München führen die Ermittlungen weiter, denn der Verdacht erhärtet sich immer mehr, dass die tödliche Verletzung vom Schlag mit einer Handleuchte herrührt, der aus dem Fototrupp der Polizei geführt wurde. Trotzdem stellt die Staatsanwaltschaft am 24. April 1969 die Ermittlungen ein. Am 22. Oktober 1970 fordern StudentInnen erneut die Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens.7 — Während der Osterunruhen wird ein „Aktionszentrum für Widerstand“ (SDS, LSD, SHB, ADU) sowie ein Arbeitskreis „Politische Justiz“ gebildet, der zur Gründung der „Rechtshilfe der Außerparlamentarischen Opposition“ in den Räumen des Republikanischen Clubs (RC) in der Fallmerayerstraße 28 führt.8

Achthundert Studentinnen und Studenten folgen am 17. April dem Aufruf des rechten AStA zu einem Schweigemarsch gegen „Krawalle“ der APO. Auf Spruchbändern ist zu lesen „Ein Toter ist genug“, „Steine sind keine Argumente“ und „NPD und SDS, Deutschlands Ende“.9


Beilage zu tendenzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 49/50 vom März/Juni 1968.

Im Großen Hörsaal der TH findet am 18. April eine Diskussionsveranstaltung zu den Demonstrationsmethoden und der Gewaltfrage statt, an der auch Polizeipräsident Dr. Schreiber teilnimmt. — Nachdem die Universität keinen Raum zur Verfügung stellt, findet in der Uni-Mensa am 21. April ein Teach-in über die Frage der Gewalt, die Krise des Parlamentarismus und den Springer-Konzern mit Ekkehard Krippendorff und Knut Nevermann aus Berlin statt.10

Am Abend des 23. April versammeln sich nach den heftigen Auseinandersetzungen an Ostern in der Barerstraße weit mehr als 10.000 Menschen, unter ihnen viele Studierende, auf dem Königsplatz, um den Stellungnahmen von Vertretern des „Establishments“ und der Außerparlamentarischen Opposition zuzuhören. Die Devise lautet: „Gibt es einen neuen Anfang?“11 Alle Positionen sollen deutlich werden. Neben Landtagspräsident Hanauer, Innenminister Merk, Volkmar Gabert (SPD), Oberbürgermeister Vogel und dem Münchner DGB-Vorsitzenden Ludwig Koch sprechen Friedrich Hitzer, Reiner Jendis (SDS), Herbert Röttgen (SDS), Otto Herz (VDS), Rolf Pohle (LSD)12 und Helmut Vogel von der Internationale der Kriegsdienstgegner. Die Standpunkte bleiben unvereinbar. Landtagspräsident Rudolf Hanauer meint, das „bayerische Parlament habe sich stets aufgeschlossen gezeigt allen geistigen Strömungen des Landes gegenüber“. Pfiffe und Gelächter halten ihn nicht davon ab, „Verständnis für die kritische Haltung der Jugend“ zu empfinden. Schließlich meint er unter Buhrufen, dass „Freiheit nicht Zügellosigkeit bedeute, sondern Bindung an die Achtung des Mitmenschen“, dass es keine APO brauche und berechtigte Forderungen beim Gesetzgeber gut aufgehoben seien. Schriftsteller Frieder Hitzer bezeichnet das Parlament als „verlängerten Arm der Regierung“, wendet sich dagegen, dass die Opposition in gut und böse, vernünftig und unvernünftig gespalten wird. „Als Alternative zur etablierten Politik bietet Hitzer an: Aufhebung der beschlossenen Notstandsgesetze; Verzicht auf jede Notstandsverfassung; Einschränkung des Rüstungshaushalts; Erweiterung der Mitbestimmung in Universitäten und Betrieben; eine öffentliche Kontrolle der Konzerne sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Ost und West, was eine Anerkennung bestehender Grenzen und die Unterzeichnung des Atomsperrvertrages voraussetze.“ Innenminister Merk fordert zu Beginn seiner Rede den „Verzicht auf jegliche Gewalt“. Pfiffe und Zwischenrufe: „Eben!“ sind die Folge. Einlenkend meint Merk, dass Kritik und Proteste lediglich mit polizeilichen Maßnahmen zu beantworten zwar „töricht“ sei, „wir werden“ aber „die rechtsstaatliche Ordnung verteidigen, nicht nur, weil wir durch unseren Eid verpflichtet sind, sondern auch, weil wir sie für die einzige eines freien Bürgers würdige Form halten.“ Darauf Reiner Jendis vom SDS: „Zehntausende von Studenten, Schülern und jungen Arbeitern haben während der Ostertage einen neuen Anfang gemacht: Sie haben gelernt, dass der Weg vom ohnmächtigen Protest zum konkreten Widerstand eine notwendige Voraussetzung dafür ist, dass die Mächtigen in diesem Lande merken, dass der immer weiter gehende Prozess der Entdemokratisierung von Staat und Gesellschaft von einem stets wachsenden Teil der Bevölkerung nicht einfach hingenommen wird! … Wir mussten lernen, dass diese Gesellschaft nicht bereit ist, einen demokratischen und sozialen Rechtsstaat gemäß Grundgesetz aufzubauen.“13 DGB-Kreisvorsitzender und SPD-Stadtrat Ludwig Koch bedauert, dass die letzten Jahrzehnte eine konservativ-klerikale Regierung geherrscht habe, meint, die Gewerkschaften seien schon immer eine außerparlamentarische Kraft gewesen, die allerdings „differenzieren“14 könne, und gibt unter Pfiffen zu Bedenken, dass SPD-geführte Großstädte gut regiert würden. Helmut Vogel von der Internationale der Kriegsdienstgegner beklagt, dass die Bevölkerung „entmündigt, formiert und remilitarisiert“ werde und fordert unter starkem Beifall zu passivem Widerstand und zivilem Ungehorsam auf. Im Anschluss spricht SPD-Landesvorsitzender Volkmar Gabert: Die APO solle mithelfen, dass in Parlamenten fortschrittliche Mehrheiten für fortschrittliche Reformen sorgen. Er erntet nur schwachen Beifall und viele Pfiffe. Das Pfeifkonzert wird laut, als Ulrik Gollob vom der NPD nahestehenden Republikanischen Studentenbund behauptet, die Schuld an den beiden Todesfällen vom Ostermontag trage die APO. Daraufhin fragt Herbert Röttgen vom SDS den letzten Redner, Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, „warum er es zugelassen habe, dass sich die Polizei bei der Demonstration nicht auf die Sicherung der Bild-Auslieferung beschränkt habe, dass die Polizei in eigener Sache ermittle, dass nur Aussagen veröffentlicht worden seien, die gegen die Demonstranten sprächen, und schließlich, warum er der Aufforderung nicht nachgekommen sei, einen gemeinsamen Untersuchungsausschuss über die Vorfälle einzusetzen, an dem auch die ‚Rechtshilfe der Außerparlamentarischen Opposition’ beteiligt sein sollte.“ Vogel meint zunächst, es sei schon bedenklich, dass der nicht anwesende Kultusminister Huber sich der Auseinandersetzung entziehe. Dann sagt er zum SDS gewendet, nicht die Polizei ermittle, sondern die Staatsanwaltschaft. Zeugenaussagen, die gegen die Polizei sprächen, solle man ihm schicken. Die Unruhe in der Jugend sei Ergebnis „der Tatsache, dass sich die politischen Strukturen nicht der notwendigen Entwicklung angepasst hätten“. Für einen „neuen Anfang“ fordert er: „1. keine Gewalt, 2. keine Schizophrenie, sondern Ehrlichkeit, 3. keine Verallgemeinerungen oder Pauschalurteile, 4. Kontrolle öffentlicher und privater Macht, 5. Reformen auf allen Gebieten, wozu in der Bundesrepublik vor allem auch die Bodenordnung gehört, 6. sollten die Energien, die jetzt freigeworden seien, dazu verwendet werden, aufzubauen und nicht zu zerstören. ‚Wer Gewalt anwendet, zieht die falschen Bundesgenossen an sich.’“15 Außerdem sprechen Georg Letz von der FDP und Rolf Pohle von der Rechtshilfe, der den meisten Applaus erhält.

Während führende bayerische Politiker mit APO-Vertretern spektakulär diskutieren, fordert das bayerische Kultusministerium die Hochschulen auf, „in strafbaren Fällen das Verhalten der Studierenden unverzüglich disziplinarrechtlich zu würdigen und die entsprechenden Verfahren beschleunigt durchzuführen. Sollte dies bei einzelnen Hochschulen auf Schwierigkeiten stoßen, werde das Kultusministerium auf Grund seiner Rechtsaufsicht über die Hochschulen darauf dringen, dass die Funktionsfähigkeit der Disziplinarausschüsse wiederhergestellt werde.“16

Auf einer Sondersitzung im Landtag über die Osterunruhen ruft Kultusminister Dr. Ludwig Huber (CSU) am 24. April zu mehr Härte gegen die Studierenden auf.

Am 25. April kündigt Springer bei Neven DuMont den Druckauftrag für die Bild-Zeitung.17

Die APO-Dokumentationsgruppe stellt auf einem Teach-in in der Großen Aula am 26. April die Ergebnisse der bisherigen Ermittlungsarbeit über die Osterunruhen vor.

Im Stadtmuseum wird am 2. Mai die Foto-Ausstellung „Das Ende einer Demonstration“ zum Tod von Fotoreporter Klaus Frings und dem Studenten Rüdiger Schreck eröffnet. Sie dokumentiert die Anti-Springer-Aktion vom Gründonnerstag bis zum Ostermontag.18

Die Rechtshilfe der APO legt am 21. Juni auf einer Pressekonferenz ihre Dokumentation über die Anti-Springer-Demonstrationen an Ostern vor und erhebt schwere Vorwürfe gegenüber den Ermittlungsbehörden im Falle Frings und Schreck.19

Goldschmied Rothmann wird wegen seiner Teilnahme an den Anti-Springer-Aktionen in den Ostertagen in der Berufung am 27. Oktober zu 300 DM Geldstrafe verurteilt. In der 1. Instanz erhielt er sieben Monate Gefängnis ohne Bewährung.

Filmregisseur Klaus Lemke verarbeitet in seinem Streifen „Brandstifter“ den Brandanschlag in den Kaufhäusern Kaufhof und Schneider in Frankfurt am Main.20

Erst vierzig Jahre später, im Jahre 2008, bekommen Beteiligte den Film zu sehen, den die Polizei am Ostermontag angefertigt hat. Im Staatsarchiv für München und Oberbayern treffen sich Peter Arnold, Norbert Großhauser-Fernau, Reinhard Wetter und der Bruder des getöteten Rüdiger Schreck, Reinhard Schreck, sowie Ulrich Chaussy und stellen bei der Sichtung des Films fest: „Im Filmmaterial des Dokumentationsfilmtrupps vom Ostermontagabend befindet sich vor dem Ausrücken der Polizeiabsperrkette ein Schnitt. Auch der folgende Wasserwerfereinsatz ist nicht zu sehen. Nur unmittelbar nach dem Schnitt fährt in einer sekundenkurzen Szene der Wasserwerfer aus dem Bild.“21

„Die wachsende Unruhe in der Jugend, vor allem aber in der Studentenschaft, und die damit zusammen hängenden Demonstrationen und Veranstaltungen in den Groß- und Universitätsstädten Bayerns brachten auch der Bayer. Bereitschaftspolizei eine zusätzliche wesentliche Belastung. In 35 Einsätzen und Bereitstellungen waren Kräfte der Bereitschaftspolizei von der Stärke eines Zuges bis zu mehreren Hundertschaften zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie zur Unterstützung des Einzeldienstes aufgerufen. Hierdurch erlitt der Ausbildungsbetrieb immer wieder erhebliche Unterbrechungen …“22

Siehe auch „Frieden/Abrüstung“ und „Medien“.


1 Urteil des Schöffengerichts beim Amtsgericht München, Abteilung Strafsachen, vom 27. Mai 1969 gegen Rolf Pohle, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung, Bestand APO-Rechtshilfe; siehe auch „Prozesse“ 1969.

2 Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen; siehe „Aus dieser Straße …“ von Herbert Röttgen

3 Siehe „Briefwechsel“.

4 Siehe „Berichte“.

5 Siehe „Springers Freunde und Helfer“ von Hanns Zischler.

6 Fotos: Stadtarchiv Standort Rudi Dix-Archiv. Mappe 0076 Studenten. Vgl. dazu Ulrich Chaussy: „Tod in München – Frings und Schreck. Die Eskalation bei den ‚Osterunruhen’ 1968 in München“ in: Zara S. Pfeiffer (Hg.), Auf den Barrikaden. Proteste in München seit 1945. Im Auftrag des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, München 2011, 89 ff.; siehe „störendes geräusch“ von Yaak Karsunke.

7 Siehe „Wer tötete Rüdiger Schreck?“ Vgl. Günter Wallraff: „Der Tod von München“ in konkret. Monatszeitung für Politik und Kultur 24 vom 19. November 1970, 45 ff.

8 Vgl. Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur und Abendzeitung 90/1968 bis 94/1968; siehe „Ostern 1968“.

9 Fotos: Stadtarchiv Standort Rudi Dix-Archiv. Mappe 0076 Studenten. (hier: „18.4.1968“)

10 Vgl. Süddeutsche Zeitung 97/1968.

11 Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen.

12 Siehe „An dem Tag der Akademieschließung …“ von Rolf Pohle (1969) und „Rolf Pohle“ von Peter Schult.

13 Süddeutsche Zeitung 99 vom 24. April 1968, 10.

14 A.a.O.; siehe „Ein neuer Anfang“ von Ludwig Koch.

15 Süddeutsche Zeitung vom 24. April 1968.

16 Süddeutsche Zeitung 100 vom 25. April 1968, 10.

17 Vgl. Münchner Merkur 100/1968.

18 Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 3. Mai 1968, 15.

19 Vgl. Süddeutsche Zeitung 150/1968 und Abendzeitung 150/1968; siehe „Die verlorene Ehre der Klaus Frings und Rüdiger Schreck“ von Rolf Pohle.

20 Klaus Lemke, geboren 1940, seit Mitte der 60er Jahre Regisseur der Münchner Gruppe. Der „König von Schwabing“, wie er genannt wird, entdeckt Dolly Dollar, Cleo Kretschmar und Wolfgang Viereck. Seine Filme portraitieren vor allem Außenseiter. In München drehte er in den 60ern Kurzfilme wie: Kleine Front (1965, mit Werner Enke als Belmondo); Drei (1966); Flipper (1966); Duell (1966); Henker Tom (1966, mit Werner Enke). Sein erster Spielfilm „48 Stunden bis Acapulco“ (1967, Buch: Max Zihlmann) wird vom Kölner Stadtanzeiger als „ein Schwabinger Traum von einem Action-Film“ bezeichnet. Rainer Werner Fassbinder bezeichnet ihn 1981 als seinen wichtigsten Einfluss. In „Brandstifter“ (1968) porträtiert er den Brandanschlag von Gudrun Ensslin, Thorward Proll und Horst Söhnlein. 2000 dreht er „Die Leopoldstraße kills me“ – eine Dokumentation über die Straße, an der er seit vielen Jahren wohnt.

21 Ulrich Chaussy: „Tod in München – Frings und Schreck. Die Eskalation bei den ‚Osterunruhen’ 1968 in München“ in: Zara S. Pfeiffer (Hg.), Auf den Barrikaden. Proteste in München seit 1945. Im Auftrag des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, München 2011, 99.

22 Jahresbericht der Bayerischen Bereitschaftspolizei für 1968, Vorwort, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung.