Flusslandschaft 1976

CSU

CSU und Katholikenrat empören sich über Genet’s „Balkon“ in den Kammerspielen. Zeit für Satiren!1

Franz „Der Kaiser“ Beckenbauer verdient mit Kicken gutes Geld, hat aber wenig Lust, Steuern zu zahlen. Da gibt ihm ein Staatssekretär aus dem bayerischen Finanzministerium einen guten Tipp: „Schaff Deine Kohlen in die Schweiz!“ Leider ist das Ganze nicht legal, obwohl sogar der bayrische Finanzminister auf einem Fest in Grünwald dem „Kaiser“ zuwinkt und ruft „Franz, wenn was ist, nur melden …“ Dumm, dass der Fall bei einem ehrlichen Beamten der Abteilung „Abgabenord-
nung, Erlass und Stundung von Steuern, Steuerfahndung, Außensteuergesetz etc.“ im Finanz-
ministerium landet. Es ist Wilhelm Schlötterer, der zu ermitteln beginnt …2

Franz Josef Strauß herrscht nicht nur unumschränkt in Bayern, er betreibt seine eigene Außen-
politik und ist mit der laschen Haltung der Schwesterpartei CDU unzufrieden. Mit dem „Kreuther Trennungsbeschluss“ vom 19. November verbinden sich Überlegungen, die CSU bundesweit auszu-
dehnen. Strauß meint am 24. November: „Kohl wird nie Kanzler werden. Er ist total unfähig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt einfach alles dafür.“ Am 27. November findet vor der CSU-Zentrale in der Nymphenburger Straße 64 eine Demonstration für die „4. Partei“ statt.3


1 Siehe „Franz Joseph hat geholfen — Franz Joseph hilf uns fürderhin“.

2 Siehe www.anstageslicht.de/index.php?UP_ID=14&NAVZU_ID=57&STORY_ID=100&M_STORY_ID=689.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung 277/1976.