Flusslandschaft 1985

Kunst/Kultur

Frieder Köllmayr, der vor allem auch mit dem DGB-Bildungswerk zusammenarbeitet, formuliert ein neues heimatverbundenes Geschichtsverständnis und einen Kulturbegriff, der einige Linke erstaunt.1

LITERATUR

Manche Gedichte verrätseln, schaffen gewollt Uneindeutigkeit, können aber andererseits auch Assoziationen auslösen und führen mit Andeutungen des Unbehagens zu kritischen Haltungen.2 Oder?

THEATER

Die Vereinigung deutschsprachiger Bürgerinitiativen zum Schutz der Menschenwürde erhebt gegen das Theaterstück „Bauern Sterben“ von Franz Xaver Kroetz (Uraufführung am 9. Juni) Strafanzeige wegen pornographischer und gotteslästerlicher Äußerungen. Kroetz: „Manche
Leute regen sich dann auf, wenn ein Künstler die Obszönität der Wirklichkeit schildert. Über
die Obszönität der Wirklichkeit aber regen sie sich nicht auf. Sie zeigen den Künstler an, nicht
die Wirklichkeit!“3

Sepp Bierbichler spielt in Herbert Achternbuschs „Gust“, verlässt während der Aufführung die Bühne und protestiert dagegen, dass die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung Politiker aus Südafrika eingeladen hat. Dies ruft das Kultusministerium auf den Plan.4

Franz Xaver Kroetz initiiert inzwischen eine Gruppe „Künstler gegen Apartheid“.


1 Siehe „Schwierige Heimat: Bayern“ von Friedrich Köllmayr.

2 Siehe „München“ von Harald Kaas.

3 Zitiert in: Datenbank zum Literarischen Leben in den deutschsprachigen Ländern, www.literarischesleben.uni-goettingen.de/frame_einfachesuche.html.

4 Siehe „Südafrika-Protest im Münchner Residenztheater – und die Reaktion“ von Josef Bierbichler sowie „Der letzte Terrorist?“ von Helmut Schödel und „Wir müssen einen Schmerz erzeugen. Im Gespräch: Josef Bierbichler“ von Doris Heselberger. Vgl. tendenzen. Zeitschrift für engagierte Kunst 153 vom Januar 1986, 4 f.