Flusslandschaft 1985

Rechtsextremismus

„Wie der Journalist Michael Schmidt 1989 in seiner Analyse zur bundesdeutschen ‚Neuen Rechten’ belegt, ist München in den 1980er Jahren Zentrum der neonazistischen Szene Deutschlands.“1

Am 18. Februar gegen 23 Uhr betreten fünf Neo-Nazis das Fraunhofer in der Fraunhoferstraße 9, pöbeln, schlagen und demolieren das Inventar, dann verschwinden sie. Die Polizei nimmt sie am Reichenbachplatz fest.

Anfang Mai kommt es im Gasthof Krone in Nesselwang im Allgäu zu Treffen des “Kameradschaftsverbands der Soldaten des I. Panzer-Korps der ehemaligen Waffen-SS” und der “3. SS-Panzerdivision „Totenkopf“”. Die Antifaschistische Aktion München mobilisiert Ende April zu Gegenaktionen.2

Im September tragen die Böhsen Onkelz in der Fernsehsendung Live aus dem Alabama, die im Bayrischen Fernsehen gezeigt wird, ihren Song „Stolz“ vor. Dann zieht eines der Bandmitglieder in der anschließenden Diskussion über Ausländer her, zwei Neonazis der Wiking Jugend in gebügelten Onkelz-T-Shirts legen nach. Die Moderatoren agieren hilflos.

Am 7. Dezember veranstaltet die Nationalistische Front (NF) ein Treffen in der Gaststätte Waldfrieden in der Fürstenriederstraße 277. Ein Antifaschist schmuggelt sich in die Veranstaltung und berichtet.3


1 Robert Schlickewitz, Sinti, Roma und Bayern. Kleine Chronik Bayerns und seiner „Zigeuner“, 2008, www.sintiromabayern.de/chronik.pdf, 152.

2 Vgl. Flugblattsammlung, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung.

3 Siehe „Zum Treffen der Nationalistischen Front am 7.12.85 in München“.